Der Golfball ist ein Taschendieb

Golf ist ja bekanntlich nicht nur einer der komplexesten Bewegungsabläufe im Sport, sondern auch Kopfsache. Und manchmal hängt das eine unmittelbar mit dem Anderen zusammen. So auch bei mir. Ich habe ein zentrales Kopfproblem (ich denke auch beim Schwung/Putt noch darüber nach, was ich machen soll) und ein noch zentraleres Schwungproblem. Bzw. hatte ich keinen Schwung.Ich habe 2009 angefangen und seitdem habe ich den Ball geschlagen. Mit den Händen, mit viel zu wenige Rotation und Körpereinsatz. Einfach fest drauf. Von außen kommend und immer verwundert, warum einige Spieler viel weniger schlagen als ich es tue. Und dennoch viel weiter sind als ich es je sein werde.
Zumindest sieht es so aus. Wenn man nicht genau weiß, was da eigentlich wirklich passiert. Im Schwung.
Ja, ich habe über Handhaltung und Schlagflächen-Ebenen nachgedacht. Schwungebenen und was weiß ich nicht alles. 
Wie sich rausstellt, habe/hatte ich aber eine grundsätzlich falsche Vorstellung vom Bewegungsablauf eines Golfschwungs. Ja, ich wusste, die Körperrotation, Hüfte, Armhaltung, Hände, Treffpunkt, Release etc. sind wichtig. Dennoch habe ich das nie hinbekommen. Schon gar nicht in der richtigen Reihenfolge und alles zusammen.
Nein, ich werde mit meinen inzwischen 50 Jahren sicherlich kein Bewegungsweltmeister mehr. Und nein, ich muss den Drive keine 250 m weit schlagen (zugegebener Maßen würde ich das aber können wollen). Aber ich will mein Spiel schon auf ein Niveau bringen, welches mich zum einen noch besser werden lässt (das wollen wohl alle Sportler, immer, egal in welcher Sportart) und ich will, dass mein Körper nicht aufgibt, sondern das tut, was er kann, wenn er etwas trainiert ist. Und klar will ich weiter schlagen als heute.
Dafür gehe ich regelmässig zu Peter Owens ins Training.
In den letzten Wochen leider eher weniger, viel weniger als mir lieb ist.
Da geht es um bestimmte Abläufe und eigentlich hauptsächlich um den Treffpunkt und den Release. 

Ich drehe inzwischen auf (ja die Hände könnten immer höher, die Schulter immer noch mehr gedreht sein), schwinge langsamer und versuche meistens erfolgreich nicht mit den Händen zu schlagen. 
Das Problem ist immer noch, dass ich meine Hüfte rotieren lasse, anstatt sie nach vorne zu verschieben und so die Hände vor den Ball zu bekommen. Mein zweites Problem ist aktuell, dass ich im Treffmoment mit dem Schwung aufhöre. Eher punche, als durchschwinge…
Das mit der Hüfte übe ich und zwar auch zu Hause, ohne Schläger. Sieht doof aus, führt aber dazu, dass ich im Probeschwung die Hüfte für meine Verhältnisse sehr gut verschiebe und vieles richtig mache, wie das Foto zeigt. Ihr hättet das mal im Januar sehen sollen…

Ich habe zu dem Zeitpunkt die Arme noch etwas zu flach, aber dafür auch die Hände noch nicht vorne, wie sonst. Was übrigens immer zum Löffeln führte. Insgesamt scheint auf dem Foto also alles gut zu sein.
Doch dann kommt das, was Pete mit „Der Ball ist ein Taschendieb“ beschrieb.
Er will damit sagen, dass (mich) der Ball, ähnlich wie ein Taschendieb, im entscheidenden Moment ablenkt. Ich also nicht mehr auf den Schwung und die Hüfte, sondern auf den Ball achte.
Was das bedeutet, zeigt folgendes kleine Video, vom Training. Erst der Probeschwung (bewusst und gewollt über den Ball und kein voller Schlag) und dann der „richtige“ Schwung, mit Ball…. 


Im Video sieht man Dank der Linien, was ich meine und was das bedeutet. Ich bin, wenn ich mit den Hüften schiebe, mit den Händen deutlich vor dem Ball. Tue ich das nicht, kostet das unglaublich an Weite.Ja, da sind noch andere Dinge. Der Kopf zum Beispiel dreht zu weit mit etc. Aber generell ist das Hauptproblem meine Hüfte wenn ich den Ball spielen will.
Das passiert übrigens auch deswegen, weil ich denke, dass ich das nicht machen darf. Also daran denken. Es passiert aber auch, weil es kein Automatismus ist. 6 Jahre sind halt in die Hirnwindungen eingebrannt.

Meine Aufgabe in den nächsten Wochen besteht also darin, den Taschendieb aus meinem Kopf herauszulassen und so dafür zu sorgen, dass die Hüfte deutlich weiter schiebt. Das bringt einiges an Metern und vor allem, und das ist fast wichtiger, fühlt es sich wie ein Golfschlag an. ich prügle nicht mehr (meistens) mit den Händen auf den Ball ein, sondern es ist ein Schwung. Und je leichter er sich anfühlt, desto besser und vor allem weiter fliegt der Taschendieb… Ähhh, Ball.
Also, nicht wundern, wenn ihr mich mal diese Trockenübungen machen seht. Zu Hause, im Garten, auf der Strasse oder im Büro (ja, ist dort schon mehrfach vorkommen).
Es hat alles seinen Sinn. Und irgendwann ist der Dieb weg und ich darf an dem nächsten „?Problem“ arbeiten. 

Ein Gedanke zu „Der Golfball ist ein Taschendieb

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