Der richtige Drive

Heute gibts mal einen kurzen Einwurf. Oder Pitch.

Nachdem ich ja nun schon ein paar Wochen zum Kreis der aktiven Golfspieler zähle laufen mir immer wieder Umstände über den Weg, die man als Glaubensfragen qualifizieren kann.
Ja, mittlerweile bin ich soweit dass ich glaube, dass Golf eine einzige Glaubensfrage ist.
Die für mich aktuell größte ist die, ob man als Anfänger (und als solchen bezeichne ich mich weiterhin mit vollem Stolz) erstmal mit den „kleinen Schlägern“ anfangen soll und erst später zu den größeren wechseln sollte oder ob man gleich das ganze Moveset durchprobieren sollte.


Wenn man sich mit Leuten unterhält, die einem normalerweise gut gemeinte Tipps, eingeleitet mit den Worten „ich hab damals…“ geben, dann bekommt man häufig zu hören, dass man als Einsteiger im Grunde nur einen Halbsatz braucht. Also SW, PW, 9er, 7er-Eisen und vielleicht einen Hybrid für die Abschläge. Putter freilich noch. Aber an mehr sollte man sich erst nach gut einem Jahr spielen versuchen, die Frustrationsgrenze sei zu hoch, der eigene Schwung noch nicht stabil genug usw.
Nachdem ich in einigen Foren recherchiert habe, stieß ich dort zu, sagen wir 95% auf eben diese Meinung, sodass ich sie hier mal als allgemeine Meinung hinstelle. Auch von meinen Pros während der PE gab es ähnliche Äußerungen.

Ich für meinen Teil habe mir seinerzeit ein komlettes Set angeschafft (von dem ich aber schon alles ausgetauscht habe 😉 ), habe zunächst aber trotzdem nur die oben genannten Schläger genutzt. Bis ich irgendwann vor der Frage stand, warum man das eigentlich so macht?

Klar, die Argumente der Halbsatzbefürworter haben etwas für sich. Man gewinnt Sicherheit und kann sich erstmal mit den einfacheren Schlägern einspielen. Rein logisch betrachtet ist der Sprung zu den längeren Teilen dann nicht mehr so groß.
Auf der anderen Seite heißt es ja, je länger ein Schläger, desto schwerer ist der zu spielen. Es wäre also nur logisch, erstmal die Finger von Driver und Co zu lassen.

Aber, ein halbes Set ist eben nur ein halbes Set. Die Regeln erlauben es uns ja, bis zu 14 Schläger ins Bag zu packen. Und das zumindest von der Grundintention her nicht nur, um das eigene Ego zu stärken und den Geldbeutel zu schmälern. Jeder Schläger hat ja seine Existenzberechtigung, Vom Putter bis hinauf zum Driver. Würde man nur mit einem halben Satz spielen, wäre das also mit einem einbeinigen Fußballer vergleichbar.

Alles, mit dem ich zu dem Thema dienen kann ist meine eigene Erfahrung. Entgegen aller oben genannten Ratschläge habe ich nach meiner PE direkt angefangen, mich mit den Schlägern vertraut zu machen, die ich bis dato noch nicht gespielt hatte. Namentlich dem Hybrid vom Boden, dem Holz 3 und dem Driver.
Und: ich habe es nur rundherum positiv erlebt.
Natürlich schlägt man am Anfang ein paar Mal in den Boden oder verfehlt den Ball gleich ganz. Zumindest aber gibt es einen Slice, den man selbst dem gutmütigsten Mitspieler nicht mehr als Draw verkaufen kann. Aber wenn man auch nur einen Funken Transferleistung hat, dann kommt man sehr, sehr schnell mit diesen Schlägern klar. Selbst mit dem gefürchteten Driver.
Ich gehe sogar noch weiter.
Indem man Anfängern solche Tipps gibt wie erstmal mit einem Halbsatz zu beginnen und ja nicht vor einem Jahr Praxis mit dem Driver anzufangen, dann fördert man nur den Respekt vor dem Arbeitsgerät. Wenn man einem Anfänger impliziert, dass der Driver ein besonders schwer zu spielender Schläger sei, dann wird er auch nach einem Jahr mit zittrigen Fingern damit am Abschlag stehen und keinem der Mitspieler (und ihm selbst am wenigsten) ist geholfen.
Wenn man aber direkt auch mit den längeren Schlägern anfängt, dann gewinnt man schonmal ein richtiges Gefühl für die Dinger. Man lernt ziemlich schnell, wie man sie handhaben miss und paralell zu den kurzen Schlägern wird man sicherer mit den großen. Und umso schneller wird das eigene Spiel auch besser uns sicherer.
Dazu kommt, es macht einfach Spaß unbefangen an die Sache heranzugehen und einfach mal, frei nach John Daly, draufzuhauen und schauen, was dabei herauskommt.
Ich bringe es mittlerweile fertig, meinen Driver gerade zu schlagen und dabei zwischen 180 und 200m zu landen. Natürlich haue ich auch ab und an einen Slice dabei raus, aber wie ich beobachten konnte passiert das auch anderen 😉

Deswegen mein Apell, aus reiner Eigenerfahrung, gebt den Anfängern Hölzer, gebt den Anfängern Driver, lasst sie einfach mal draufhauen! Nach ein paar Stunden auf der Range bekommt das fast jeder in vertretbarem Rahmen hin. Halbsätze muffeln! 😉

Ich will nicht sagen, dass man nur mit allen Schlägern Spaß auf dem Platz haben kann, das klappt auch mit einem Halbsatz. Aber es ist, zumindest für mich, immer ein wesentlich besseres Gefühl einen ordentlichen Drive rauszuhauen als einen Schlag, an dessen Ende ich die Schrift auf dem Ball noch lesen kann. Und wenn man mal statt zwei Schlägen nur noch einen braucht, dann sinkt auch der Score, den man auf der Karte hat. So ganz automatisch. Und am Ende geht es ja eigentlich darum. Wie oft man den Ball treffen musste.

In diesem Sinne: FORE!

6 Gedanken zu „Der richtige Drive

  1. sehr schön Alex, ich bin da ganz deiner Meinung das man die Anfänger ruhig auch mal mit dem Driver üben lassen sollte! Und wenn der sich damit wohlfühlt. Warum nicht ?

    Gruß Matthias

  2. Hallo Alex,

    du sprichst mir aus der Seele. Ich verstehe diese Driver Hysterie nicht. Wenn man vom ersten Tag an mit allen 14 Schlägern übt, dann hat man später auch nicht mehr diese leidige Diskussion ob dieser oder jener Schläger einem liegt. Wie viele Spieler gibt es die nur mit den ungeraden oder den geraden Schlägern umgehen können?

    Ich kenne einen Spieler (HCP -12) der spielt bis heute keinen Driver weil er schiss davor hat. Meiner Meinung nach könnte der mit Driver 2-3 Schläge besser sein!

    Die Länge des Schlägers ist auch gar nicht das Problem, das glauben nur alle. Es ist der Schlägerkopfwinkel (Loft)der zu den Problemen führt. Oder anders gesagt, es ist reine Kopfsache.

    Als ich mit dem Golfen begann und in der Situation war wie du jetzt, wollte ich so unbedingt einen driver spielen das ich irgendwann einfach damit angefangen habe und es immer wieder getan habe (Mein Rekord waren 20 verlorene Bälle auf einer Runde). Ich habe es aber einfach immer weiter gemacht. Das Resultat ist sdas mein Driver heute mein absoluter Lieblingsschläger ist und ich mehr vertrauen zu dem Teil habe als zu meinem Pitchingwedge. Außerdem ist es schlicht ein Wahnsinns Gefühl wenn der Ball dann getroffen ist. Wenn mein driver nicht funktioniert kann ich vom Platz gehen.

    Eins noch, wenn es nach mir gehen würde, ich hätte 25 Schläger im Bag!

    In dem Sinne weiter so, du bist auf dem richtigen Weg!

  3. Stark.
    Alex mal wieder.
    Ich habe diese Nummer auch nie verstanden.
    Was ist an einem 8ter Eisen anders als an einem 7er oder 9er? Ok, etwas mehr/weniger Loft und Länge. Aber sonst?
    Und was den Driver angeht.
    Wenn man den als Anfänger spielt, ist niemand verwundert, wenn nman den nicht trifft. Wenn man das als hdcp 16 Spiler (oder so) dann nicht hinbekommt, ist das eine ganz andere Nummer.
    Und Ralph hat, wie so oft, Rcht.
    Man muss den einfach spielen.
    Was viele vergessen:
    Durch die Länge des Schlages sind 10% Abweichung von der Ideallinie halt weiter als bei einem PW die 10% wären 🙂
    Und ich habe den Driver, genau wie alle anderen Schläger auch, dazu im Bag, ihn auch zu spielen.
    Und das tue ich auch. Auch wenn ich mit der Ausbeute nicht immer zu frieden bin. Das bin ich aber auch bei allen anderen Schlägern im Bag nicht. Immer.
    🙂

    Und den Ball immer 100 Meter weit nach vorne schubsen kann ich machen, wenn ich alt bin. Also so richtig alt. Jetzt will ich die Kugel fliegen sehen.
    🙂

  4. Genau Thomas, natürlich gilt der Spruch: "you drive for show and put for Do!" aber es macht einfach Spass das Teil in die Luft zu bekommen und dann 200 Meter weiter zu spielen.

    Gripp it and Rip it sage ich!

  5. Ich kann mich nur anschließen. Holt den Driver raus! Alles andere ist für Mädchen 😉 Mein Pro vertritt da die gleiche Meinung. Als ich bei der Platzreife-Prüfung ganz zurückhaltend mit meinem 5er Eisen abschlagen wollte, hat er kurzerhand meinen Driver aus dem Bag geholt, mit den Worten: Die anderen Flights hinter uns wollen auch irgendwann noch mal spielen! Und so musste ich dann meinen bis dato noch nie benutzen Driver nehmen … Und die Drives waren das Beste bei meiner PE 😉 Das Spiel heißt nun mal "Möglichst wenig Schläge" und wenn der Driver hilft, dann los. Also keinen falschen Respekt! Aber das Eisenspiel nicht vernachlässigen!! 😉

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