Der Spatz in der Hand

Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach. Dieses wohlbekannte Sprichwort lässt sich vortrefflich auf den Golfsport übertragen. In meiner Zeit als angehender Golfpro gab es jede Menge Dinge die um den Golfsport herum passieren. Ein ganz wichtiger Punkt bei diesem tollen Spiel ist das Course Management. Dieser Aspekt des Spiels wird all zu oft vergessen oder vernachlässigt und daher würde ich mich gerne hier diesem Thema einmal aus meiner Perspektive widmen.

Wer kennt sie nicht die Situation, man macht den Drive seines Lebens, gefühlte 500 Meter weit nur leider ein klitze kleines bisschen nach links, Zack liegt man im Rough, der Ball liegt aber super und da man ja im Rough gelandet ist hat man statt einem Wedge ein dreier Holz ins Grün. Wie gesagt der Ball liegt top also zückt man das dreier und schlägt zu. 5 Versuche später liegt man dann auf dem Fairway und hat immer noch 170 Meter zum Grün. Viel einfacher wäre es doch gewesen ein Wedge (den besagten Spatz) zu zücken und quer aufs Fairway zu chippen als den irrsins Schlag mit (der Taube) dem Holz zu versuchen. OK man verliert dadurch einen Schlag aber verglichen mit den 5 die man vorher benötigt hat ist das ja eher vertretbar. Diese Situation ist die klassische Situation in dem einen das Verständnis für Course Management hilft. Eigentlich klingt es logisch aber viele überschätzen sich oder verkennen die Problematik.
In meiner Zeit als Pro hat mein Boss im Golfclub versucht mein Verständnis für solche Situationen zu schärfen. Bevor ich euch aber erzähle wie ich das umgesetzt habe muss man sich klar machen was Course Management eigentlich ist und für wen das notwendig ist. Letzte Frage lässt sich relativ leicht beantworten, für jeden. Course Management ist eine strukturierte Herangehensweise auf Spielsituationen die man planen und flexibel gestalten kann. Grob gesagt gibt es drei Phasen des Course Management:
  1. Vor der Runde: Dieser Punkt ist eher etwas für fortgeschrittene. Man sollte sich vor einer Turnier oder Übungsrunde darüber im klaren sein wie man diese Runde spielen möchte. Hierbei spielt der zu spielende Platz mit den jeweiligen Löchern, das Wetter, die aktuelle Form etc. eine Rolle. Ich versuche, wenn ich den Platz kenne, mir bei jedem Loch im Vorfeld einen Plan zu machen wie ich dieses Loch spielen will und dann versuche ich so wenig wie möglich von diesem Plan ab zu weichen.
  2. Vor dem Loch: Wenn man nun zu einem Loch kommt hat man in der Regel bereits ein ideal Typisches Bild davon im Kopf wie man das Loch spielen will. Man muss davon in dieser Situation immer vom Bestcase ausgehen. Also wenn man seinen Ball im Schnitt 200 Meter weit drived geht man davon aus das das auch klappt entsprechend schlägt man dann den Ball über ein Hindernis oder, wenn das nicht reicht legt ihn vorher ab. Hat man sich gut vorbereitet weis man bereits vor der Runde an welchem Loch welche Herausforderungen auf einen warten.
  3. Vor dem Schlag: Das ist der flexibelste Aspekt. Wenn alles top läuft dann macht man den vorher geplanten Drive, der landet da wo man ihn haben will dann schlägt man den Ball aufs Grün puttet einmal und geht mit dem Birdie vom Platz. Leider reden wir aber von Golf und da gibt es eigentlich nur einen Schlag der so liegt wie man ihn haben will, der Drive alle anderen Schläge liegen in der Regel an stellen wo man sie eigentlich dem Plan nach nicht haben will. Also gilt es vor jedem Schlag die Spielsituation ein zu schätzen, wie liegt der Ball, auf dem Fairway oder im Rough, kann ich das Grün treffen, welchen Schläger muss ich nehmen, hat man eine Hanglage und welche, ist ein Hindernis im weg, wo steht die Fahne etc. All das muss man und das ist wichtig, bewusst im Kopf durchgehen. Dann schlägt man den Ball.
Für ein gutes Course Management ist es äußerst wichtig das man Vertrauen in seine Schläge hat. Es nützt nichts wenn man alles analysiert hat und dann den Schlag nicht machen kann. Wenn man sich für eine Variante oder auch nur für einen Schläger entschieden hat dann sollte man das auch mit aller Zuversicht durchziehen. Ich stehe auf dem Standpunkt das wenn man einen Schlag kann und man, unabhängig von der Tagesform, diesen Schlag nun braucht, das man ihn dann spielen sollte. Es gibt viele Spieler die sich auf den Abschlag stellen und sagen das sie heute schlecht drauf sind und dann keinen Driver schlagen obwohl sie das normalerweise können. Wenn man den Schlag kann und ihn braucht dann macht man ihn. So habe ich zum Beispiel das Driven gelernt, völlig egal was dabei raus kam ich habe immer weiter Driver geschlagen bis ich es konnte.

Was wirklich angenehm ist, man kann das ganz leicht und auf jeder Runde üben. Man muss sich einfach nur auf dem Weg zum Ball bzw. wenn man sich vorbereitet kurz ein Paar Punkte überlegen wie man diesen Schlag schlagen will, was soll das Resultat sein unter Berücksichtigung der Spielsituation. Wenn mein Ball  tief im Rough liegt und man sich nur mal 20 Sekunden Zeit lässt die Situation ein zu schätzen wird man sehr schnell nicht das Holz sondern das Wedge raus ziehen. Meistens siegt nämlich die Vernunft wenn man mal nachdenkt. Wenn man das nun bei jedem Schlag macht, auf jeder Runde also quasi immer dann geht einem das in Fleisch und Blut über und irgendwann denkt man gar nicht mehr drüber nach sondern macht es einfach. Mein Boss im Golfclub hat machmal einfach bei einer Übungsrunden Spielsituationen kreirt in dem er meinen Ball woanders hingelegt hat. Ich sollte dann sagen wie ich das Problem angehe danach sollte ich dann genau das machen. wenn es nicht geklappt hat oder wenn es seiner Meinung nach der Falsche Ansatz war haben wir durchgesprochen was man da hätte besser machen können.

Man kann natürlich das Course Management auch beliebig ausdehnen. Ein Pro spielt in der Regel eine Proberunde nicht um einfach eine Runde Golf zu spielen sondern um den Platz kennen zu lernen. Sehr häufig sieht man das gerade auf Proberunden die Jungs mehrere Bälle von der selben Position spielen. Hierbei werden aus ein und der selben Position unterschiedliche Strategien oder Schläge ausprobiert (Abkürzen übers Dogleg, Par 5 Löcher angreifen oder vorlegen etc.) Auch ist das Birdie Buch ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Vorbereitung. Benutzen wir Amateure das Birdie Boock hauptsächlich dazu zu sehen wie Blinde Löcher gespielt werden oder wie lang Par 3 Löcher sind, messen Pros jeden Baum jeden markanten Punkt auf dem Platz aus und tragen das in das Birdie Book ein. Die Strategie die vorher festgelegt wird kann dort ebenfalls eingetragen werden zum Beispiel ob man den Driver oder das Dreier Holz verwenden will.

Wenn man jeden Schlag ein wenig plant und sich vor den Löchern seiner Stärken bewusst wird und entsprechend handelt dann glaube ich das man alleine dadurch 2-3 Schläge besser spielen kann. Also nehmt euch die Zeit und denkt ein wenig darüber nach was ihr tut, es wird euer Spiel verbessern.

Bis dahin ein schönes Spiel

5 Gedanken zu „Der Spatz in der Hand

  1. Ich muss sagen:
    Schön.
    Schön beschrieben, schön analysiert.
    Schönes Thema.
    In meinem Falle 2 Schläge sparen, dann würde ich endlich mal ein Double Bogey spielen 🙂
    Nein, du hast absolut Recht.
    Ich mache die Erfahrung, dass ich dann am Besten bin, wenn die Ratio die Emotion im Griff hat. Wenn man zu heiß ist, zu viel will, geht das einmal in hundert Fällen gut. Einmal…
    Aber andererseits habe ich (nich) den Vorteil, dass ich die mesiten Plätze nicht gut genug kenne, weil ich noch zu sehr mit meinem Spiel ebschäftigt bin.
    Mein erstes SZiel: Fairwaystreffen. Immer. Da ich auf den meisten Bahnen ohnehin durch meine "Länge" kaum GiR spiele, ist der dritte Schlag umso wichtiger. Sprich, Fairway, Fairway Chip ins Grün ist mein aktuelles Course Management.
    Und damit komme ich ganz gut über die Runden.
    Auch wenn es immer wieder mal juckt, es mit 180 Meter ins Grün den Ball aufs Grün schlagen zu wollen. Manchmal klappt e ja wie gesagt auch.
    manchmal. Aber wie gesagt, zu oft leider nicht 🙂

  2. Heißes Thema . Kenne ich den Platz gut weiß ich vorher eigentlich auch immer wie ich das Loch spielen will! Auf welcher Fairwayseite ich bleiben will usw. ! Leider ist ist der Plan meistens nach dem 2.Schlag dann Makulatur und der Kampf ums nackte Überleben beginnt! 😀

    Gruß Matthias

  3. Ähh, wieso nach dem zweitenSchlag? Entweder nach dem ersten schon oder aber nach dem Dritten (Den du vom Tee spielen musstest, weil der Erste im Aus war) 🙂

    Ich finde es schwer, sich über Course Management Gedanken zu machen, wenn man noch mit sich sleber kämpft.
    Es ist irgendwann, das dann als schleichender prozess, immer wichtiger sich zu überlegen, wo man den Ball hinspielt. Das wie (Draw, fade etc) ist dann noch eine ganz andere Sache.
    Unsereins ist froh, wenn er das Green trifft und noch zwei/drei Schläge hat, bevor er nach Stableford aufheben muss 🙂

  4. Gerade wenn man nicht so Präzise ist ist Course Management sehr wichtig. Nämlich wenn du in die Wicken geschlagen hast die richtige Entscheidung zu treffen. Macht man sich überhaupt keine Gedanken ist man schnell noch tiefer drin.

  5. Wenn? Wie Wenn? Liegt der Normalo nicht ständig in den Wicken?
    und wenn er da mal nicht liegt, macht er meistens einen schlechten Schlag 🙂
    Und dennoch oder gerade deshalb ist der Sport so grossartig.

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