Eingelocht – Ryder Cup 2022

Der Ryder Cup kommt auch nach 2018 (Paris) in eine große europäische Hauptstadt. Allerdings wird es nicht Berlin, sondern Rom mit dem Marco Simone Golf & Country Club , wie das Ryder Cup Komitee am 14.12 bekannt gab. Ich habe lange überlegt, ob ich jetzt auch noch meinen Senf dazu geben soll/muss. Und ja, ich muss.  Ist ja schließlich DAS Event im Golfsport.

Eingelocht

Lange mussten wir auf die Entscheidung warten, viele (auch politische) Hürden schienen überwunden. Mit Bad Saarow hatte Deutschland vermeidlich einen perfekten Platz gefunden, mit BMW den potentiell besten Partner an seiner Seite. Es schien alles wie gemacht, damit Deutschland 2022 den Ryder Cup erstmals austragen könnte. Martin Kaymer zeigte sich Anfang Oktober gegenüber der Presse (u.a. golf.de und SZ) zuversichtlich und sagte: „Nachdem was ich gehört habe, wäre ich extrem überrascht, wenn der Ryder Cup nicht nach Deutschland kommen würde. Die Chancen, dass die besten Golfer aus Europa und den USA in sieben Jahren im brandenburgischen Bad Saarow abschlagen, liegen nach Meinung des 30-Jährigen „bei 95 Prozent.“

Nun kann man sagen das sei das Pfeifen im Walde gewesen, aber dennoch schien das plausibel. Hatte man doch mit BMW den besten Partner nicht nur an seiner Seite, sondern auch im Boot. Niemand würde doch wohl BMW als exklusivem Autopartner der European Tour und Titelsponsor der BMW International Open (Deutschland)  und der BMW PGA Championship  im Home der European Tour, in Wentworth ernsthaft vor den Kopf stoßen wollen. Dachte man. Oder hoffte man zumindest.

Aber die Bewerber hatten berechtigte Hoffnungen, immerhin hatte man aus dem Fehler für die Bewerbung 2018 gelernt und nicht wieder auf die Karte AUDI gesetzt. Von der es damals, nach der Absage hieß, dass u.a. BMW gegen Deutschland war, weil man AUDI nicht wollte.

Es schien alles sicher. So sicher, dass die SZ sich am Freitag noch zur Meldung hinreißen ließ:

„Ein Verfahren? Eine Farce“

In dem Artikel wurde das Auswahlverfahren bemängelt und man kritisierte, dass Deutschland den Zuschlag bekommt.

„Zur furiosen Gegenwart: Deutschland kriegt den Ryder Cup! Das steht nach SZ-Informationen fest… Ausschlaggebend für die Wahl ist allerdings nicht der dann sicher tolle Kurs, den Sir Nick Faldo verantwortet. Oder weil Deutsche so sympathisch sind, wie Waldemar Hartmann sagen würde. Eine Begebenheit legt Ursache und Wirkung offen: Am Donnerstag schaute Keith Pelley, der neue Chef der European Tour, der mit forschen Kommentaren aufgefallen war, bei BMW in München vorbei. Der Dirigent tanzte bei dem Konzern an, der die deutsche Bewerbung im Hintergrund steuert.“

Man bemängelte die zu große Nähe von BMW zum Bewerber Deutschland und zur Ryder Cup Limited, die das Verfahren verantwortet.

Ja, so schön einfach kann Journalismus sein. Man zählt ein paar Zahlen zusammen und sagt dann das Ergebnis voraus. Leider hatte man aber offensichtlich den falschen Algorithmus. Und damit das falsche Ergebnis. Auch wenn alles logisch schien. Auch wenn die Chancen gefühlt bei 95% lagen.

Es kann daran liegen, dass es einen Wechsel an der Spitze der European Tour gab. Von George O’Grady zu Keith Pelley. Aber der wisse ja jetzt, Zitat SZ

„Jetzt weiß Quereinsteiger Pelley: Im Golfgeschäft schneidet man sich nicht ins eigene Fleisch.“

Scheinbar doch. Aber vielleicht wollte er einfach nur der besseren Bewerbung den Vorzug geben?

Und wenn man die Zeichen der Zeit hätte anders deuten wollen, könnte man meinen, dass Keith Pelley bereits vor einem Monat erste Hinweis auf die sich verändernde Rolle von BMW gegeben hat, als er mitteilte (The Guardian, 17.11)  , dass das „BMW PGA Championship kein Flagship Event mehr sei“

Keith Pelley - European Tour

Keith Pelley – European Tour

“It [Wentworth] has a fund of €5m. It’s a terrific event with wonderful fan engagement with 125,000 fans that experience the game of golf, and the way that we actually present it should be applauded. The tournament committee under Jamie Birkmyre has done just a fantastic job. But I don’t see it as our flagship event.“

Der Mann geht neue Wege. Auch weil er neue Wege gehen muss. Das ist seine Aufgabe als CEO. Und wenn er der Meinung ist, Rom ist der richtige Partner, dann ist das absolut ok. Er wird schon wissen was er tut.

Vielleicht kam der Wechsel von O`Grady zu Pelley für Bad Saarow zu früh.

Oder vielleicht kommt ein Ryder Cup in Deutschland generell einfach zu früh?

Wir sind vielleicht deshalb (wie ich finde zu Recht) an der Bewerbung gescheitert, weil Golf bei uns keinen dauerhaften und ernstzunehmenden Stellenwert hat. Wir schaffen es ja kaum, die International Open regelmäßig auszutragen. Bei den Damen gibt es gar kein Turnier mehr auf der Ladies European Tour.

Klar hat der Solheim Cup gezeigt, dass wir das bestimmt hinbekommen hätten. Ein Event, ähnlich wie der Ryder Cup. Aber halt nur ein Event, nichts dauerhaftes. Nichts nachhaltiges. Da müssen wir uns als Sportart hierzulande erst einmal beweisen.

Aber  vielleicht will die neue EPT-Führung um Pelley und damit irgendwie auch der (europäische) Golfsport einfach nicht auch nur eine Sportart werden, bei der Entscheidungen hinter geschlossenen Türen und zum Wohlgefallen von Sponsoren getroffen werden?

Neue Besen kehren manchmal gut. Und manchmal tuen neue Wege auch Weh. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Entscheidend ist aber, was am Ende bei rauskommen wird.

Jetzt Nachzutreten oder schmutzige Wäsche zu waschen, würde nur eines zeigen: Wir haben es nicht verdient, so ein ehrenvolles Event auszutragen!

Also, lasst uns jetzt Sportler sein. Lasst uns dem Sieger herzlich gratulieren, um dann auch 2022 ein tolles Fest in Rom zu feiern! So wie nächsten September in Hazeltine.

Lasst uns Gentlemen (und Ladies) sein, so wie es der Sport von uns will.

Congratulazioni Roma!

Ein Gedanke zu „Eingelocht – Ryder Cup 2022

  1. Ich gebe dir Recht, wir haben den Ryder Cup nicht verdient. Ich gebe dir Recht Rom/Italien schon!

    Ich bin dennoch stink sauer! nicht auf die PGA, die hat alles richtig gemacht. Ich hätte Deutschland den Zuschlag auch nicht gegeben. Alle genannten Gründe sind richtig und nachvollziehbar.

    Ich bin sauer auf die Bewerbung und mit was für einer Arroganz wir uns schon als Sieger wähnten! Ich hoffe es tut sich was. Der Ryder Cup gehört in ein Land wo der Ryder Cup für das gewürdigt wird was er ist, das großartigste Sportereignis welches es derzeit gibt!

    Köpfe müssen Rollen und der Golfsport in Deutschland grundsätzlich angefasst werden! Die Strukturen müssen neu!

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