Es kommt nicht auf die Länge an, oder doch?

„Das Spiel heißt nicht wie lang, sondern wie oft“. Zitiere ich oft und gerne meinen Freund Thomas Engel. Immer und immer wieder. Zitiere ich ihn. Muss ich ja, so kurz wie mein Golfspiel ist. Manchmal sage ich dann auch:
„Ich darf nicht so weit schlagen, weil ich nicht mehr so weit gucken kann!“
Das schlimme ist, es stimmt sogar. Also das mit dem Gucken. Natürlich würde ich gerne weiterschlagen, wenn ich denn könnte. Kann ich nicht, weil mir Rotation, Körperspannung und noch einiges an Mut fehlt. Noch. Aber das wird sich im Winter ändern. Bestimmt….

„Es kommt nicht auf die Länge an“ ist dann wohl auch der Standartspruch aller Spieler, die den Ball nicht so weit schlagen, wie z.B. ein Bubba Watson, der laut PGA Statistik diese Saison eine durchschnittliche Drivelänge von 288,5 Meter (315.5 yards) hat. 
Durchschnittlich, 288,5 Meter…  Erzielt auf 55 Runden mit „nur“ 112 Drives. 
288,5 Meter schaffe ich auch locker. Mit zwei (dann schon guten) Schlägen. Den längsten Golfschlag (laut Guinness-Buch) erzielte Kelly Murray 1990: Der Ball flog (und rollte) 684,8 yards (ca. 610 m) über eine Flughafen-Landebahn , den längsten Drive in einem regulären Turnier erzielte Mike Dobbyn mit 551 yards (ca. 503 m).

Aktuell sind meine Drives, wenn ich sie mal wirklich gut treffe so 200 Meter carry (mit dem Holz 3 bin ich nicht viel kürzer, was an dem fast ähnlichen Loft von 13,5 (Driver) zu 16,5 (Holz 3) liegen mag.
Ja, ich bin kein Longhitter und werde auch keiner mehr. Dafür habe ich definitiv zu spät mit dem Sport angefangen, dazu eine relativ schlechte Körperrotation mit viel zu wenig Körperspannung und ich bin, alles in allem, einfach viel zu alt um da noch mehr rauszuholen. 
Gatow-Abschlag Bahn 6
Natürlich würde ich mit einem Drive endlich auch mal carry über den See an der Bahn 6 in Gatow abkürzen. Aber ich habe meine (berechtigten Zweifel) dass ich das noch mal schaffen werde. Von Gelb. Von Rot schaffe ich das locker, aber das ist dann ja auch eher keine Heldentat..
Und weil auch meine Holz- und meine Eisenschläge nicht ansatzweise die Längen richtig guter Golfer haben, muss ich halt woanders meine Punkte machen. Wenn man mit dem zweiten nicht regulär aufs Grün kommt, bzw. es nicht probiert, weil man das Risiko für zu hoch hält, sollte dann der dritte Schlag ein richtig Guter sein und man/Frau spätestens dann den Ball möglichst nah an die Fahne bringen. Diese Erkenntnis ist genauso alt wie das Spiel, bei mir allerdings hat sie sich erst dieses Jahr wirklich in den Kopf gespielt. Das liegt an meinem Handicap (aktuell -24,7), mit dem ich auf Bogey-Golf-Niveau angekommen bin. Das ist mein Ziel für dieses Jahr gewesen und weitestgehend spiele ich auch Bogey-Golf. Aber ich muss einfach konsequenter und bessere Annäherungsschläge spielen, um das wirklich dauerhaft zu schaffen und mir dennoch mal die eine oder andere realistische Par Chance zu erarbeiten 
Jetzt habe ich zwei Optionen.
Entweder versuche ich mein Spiel auf dem Status Quo zu etablieren und gebe mich mit einem Hdcp so um die 21 zufrieden, oder ich versuche noch ein paar Punkte herauszuholen und mich eher in Richtung 18 zu verbessern.
Wie gesagt, mit Länge werde ich wohl nicht viel weiterkommen, dafür sicherlich aber mit mehr Präzession. So verzichte ich lieber auf 10 Meter mehr und spiele meistens einen sicheren Schlag (wenn es in meinem Spiel so etwas gibt) um dann mit dem dritten Schlag den Ball an die Fahne zu bringen und mir so mehr Bogey oder gar Par-Chancen zu erarbeiten. Dafür trainiere ich seit ein paar Wochen deutlich mehr Putten, Chippen und Pitchen. Seitdem unsere neue Cipping-Area auf ist, bin ich dort jedes Mal wenn ich im Club bin und übe. Mal mehr, mal weniger. Immer zu wenig, aber immerhin mehr als noch im Sommer. Inzwischen kommt es vor, dass ich die Range sogar schon mal komplett liegen lasse und nur Annäherungen spiele und trainiere.
Und auch hier ist mein Problem, dass ich zu kurz bin. Ich habe mich dieses Jahr sehr oft dabei ertappt, Chip oder Putts deutlich zu kurz gelassen zu haben. Und nur sehr selten dem Ball eine Chance gegeben habe, ins Loch zu gehen. Ich habe nämlich diesen Gedanken, dass der Ball nicht zu lang sein darf, damit ich einen guten Rückputt habe. Dabei sind meine Putts manchmal so kurz, dass ich mir des öfteren 4 Meterputts lasse.

Man kann also sagen, dass mein gesamtes Golfspiel zu kurz ist.
Wobei die Länge bei den Annäherungen und vor allem Putts deutlich ein Kopfsache sind, an der ich arbeite und weiter arbeiten werde.Und auch schon auf den letzten Runden etwas gegen getan habe.

Den Versuch Länge auf der Range ins Spiel zu bringen, nehme ich mir dann wieder für den Winter/Frühjahr vor. Aktuell muss das an Länge reichen und eigentlich bin ich sogar zufrieden, denn ich habe gefühlt eine Driving Accuracy Percentage im Bereich von Luke Donald (der trifft 66% aller Fairways), womit ich bei den Pros in der Spitzengruppe liegen würde. Aktuell führt diese Wertung Jerry Kelly mit knapp 72% getroffener Fairways an. Nur liegt mein Ball eher am Anfang des Fairways, als am Ende…
Nur Golf bei:

8 Gedanken zu „Es kommt nicht auf die Länge an, oder doch?

  1. Ich dachte schon diese Woche kommt nix mehr !!
    Zu den Längen die hier beschreibst mit dem Driver
    komme ich auf ca 190 -200 m (sofern er gerade ist) allerdings nicht carry! Mein Problem liegt auf dem Fairway ich komme dort nicht richtig vorran .
    In Phöben hast Du dich neulich gewundert das auf der 2. Bahn aus 120 m ein Rescue genommen habe! Aber das ist Standart bei mir auch die Eisen bleiben vom Fairway relativ kurz! So kann aus einem 380 m Par 4 leicht mal ein Par 5 werden weil ich erst mit dem 3. oder 4. am Grün bin! Mein kurzes Spiel ist eigentlich ganz gut!Den Spruch " es kommt nicht auf die Länge an " mag ich wirklich nicht weil er meist von denen kommt,die eine gute Länge haben aber keine Longhitter sind. Gruß Matthias

  2. Naja.
    Ein 380 Meter langes Par 4 ist für die meisten Golfer in aller regel eher ein Par 5. Weil man halt selbst mit 200 Meter Drive noch 18ß Meter hat. Und damit eine Menge Risiko.
    Deswegen bin ich ja inzwischen so scharf drauf, den dritten so gut es geht an die Fahne zu bekommen.
    Ob aus 10, 20,40 oder 60 Metern.
    Das ist einer der wichtigsten Schläge, sonst kommt man nie unter die 20.
    Und gute Länge ist relativ.
    Allerdings sind 120 Meter in der tat eher ein gutes Eisen 8 bei mir….
    Aber dann muss alles passen, also eher ein Eisen 7 🙂

  3. Hm, spontan kommt es schon auf Länge an. Wenn man gleich zu Beginn einen ordentlichen Drive raushaut, dann hat man schonmal das meiste der Bahn abgefrühstückt.
    Allerdings lege ich mittlerweile mehr wert auf Präzision denn auf zusätzliche 20m Carry, was meinen Score allgemein doch stärker verbessert hat als beim Wechsel vom Hybrid zum Driver (am Abschlag).

    Bei einem 380m Par 4 hat aber vermutlich fast jeder, der eher in höheren HCP-Regionen angesiedelt ist ein Problem. Ich hatte neulich einen Flightpartner mit HCP17,2, der bei einer Bahn, die nach rd. 180m ein Wasserhindernis hat trocken beim Abschlag meinte "Hm, Eisen 5 ist wohl zu lang."
    Mit dem Eisen 6 hat er dann trotzdem fast drüber gehauen.
    Ich hatte neulich das Glück auf so einem 380m Par 4, dass mein Drive schön kam und ich dann das Eisen 5 so schön getroffen habe, dass der Ball aufs Grün gehoppelt ist.
    Da sowas aber leider die Ausnahme ist (zumindest bei mir) finde ich es fast ntscheidender, dass das Spiel um die 50m ums Grün rum passt. Da hat man ruck-zuck 2 Schläge verloren.
    Ich würde daher sagen, dass der Mittelweg das entscheidende ist. Länge ist immer gut und spart einem viele Nerven, aber wenn die Präzision fehlt, dann hilft auch Länge nichts. Im Gegenzug hilft sie auch nichts ums oder auf dem Grün.
    Wobei, neulich hab ich einen schönen Werbespruch gehört.
    "The best way to improve your short game ist to make it much, much shorter"
    😉

  4. Naja. Ich sehe dass so.
    habe ich noch mehr als ein Eisen 5 (also 150 Meter) zur Fahne, versuche ich es nur selten.
    Wenn man es versucht, kommt natürlich auch immer mal wieder ein guter Schlag raus. So wie bei meiner JS Challengeteilnahme in Kallin, als ich an der 3 (ein Par langes, enges 4) nach einem guten ,aber eher Sicherheitsabschlag noch 188 Meter zur Fahne hatte. Normalerweise lege ich den Ball da vor und versuche mit dem dritten aufs Grün zu kommen. Zu dem Zeitpunkt lag ich nach ewigem Vorlegn dennoch 2 Punkte hinter meinem Hdcp und wollte einfach mal was anderes machen. Holz 3 genommen und den Ball so gut getroffen, dass er 4 Meter hinter der Fahne lag. Mein Glück war das höher gelegte Grün, der Ball konnte so aufprallen, bouncte zugegebener Maßen etwas glücklich um den Bunker rum und kam gut zum liegen.
    Auf einem flachen Par 4 wäre der Ball erst hinter dem grün liegen geblieben.
    Und ich hätte den Ball nicht faden dürfen, weil auf der drei die ganze Zeit rechts das AUS lauert. Aber wie gesagt, ich wollte mal angreifen und es klappte. Ausnahmsweise. Normalerweise gehen solche Bälle eher schief. Entweder bleibe sie kurz oder ich treffe aus 190 Metern das Grün nicht. Logischer wäre übrigens ein Eisen 8 gewesen um denn mit dem SW aus 80 Metern ins Grün zu spielen. Und das ist auch der Schlag, denn ich machen muss. Normalerweise.

  5. Ach, was man normalerweise machen muss…
    Ich hab bei mir festgestellt, dass man mich schon unter Androhung von Gewaltanwendung dazu zwingen müsste, das Grün nicht zu attackieren wenn ich es sehe. Oder weiß, wo es ist. 😉
    Was aber nichts daran ändert, dass ich mich damit immer wieder in ziemlich interessante Situationen manövriere;)

  6. Du bist ja noch in der Kennenlern-Phase. Du lernst gerade dich, dein Spiel und auch die dunklen Ecken deines Platzes kennen 🙂
    Da ist man noch deutlich mutiger.
    Wobei es Leute gibt, die behaupten, man soll jedes Grün dass man irgendwie erreichen könnte, auch angreifen. Nur, was habe ich dann davon, wenn der Ball so schlecht liegt, dass ich mir den Score versaue?
    Oder ich dann für den Dritten so eine Lage habe, die mich in Stresssituationen bringt?
    Ist es nicht eher so, dass der eine gute deutlich seltener kommt, als die vielen schlechten Attacken?
    Vernunft und Demut sind das, was mich dieser Sport jeden Tag aufs Neue lehrt. Und was ich so grossartig finde.

  7. SO jetzt habe ich diesen Blog auch gesehen, irgendwie hat sich der mir entzogen. Die Kernfrage ist doch ist lang gut, notwendig oder schlicht nur ein Mittel zum Zweck? Mal so aus meiner Sicht betrachtet, ich liebe es zu driven! Der Drive ist für mich der beste Schlag, mein Driver ist mein Wedge und ich schlage dieses Teil weit!

    Selbst an Tagen wie dieses WE wo nix vom Fairway ging habe ich die Bahnen mit dem Driver in zwei hälften geteilt. Ich habe wohl eine durchschnittliche Drivlänge von 250 Metern (nicht Carry). Und was soll ich sagen es hilft. Es ist ein enormer Unterschied (um in eurem Beispiel zu bleiben 380m Par4) ob ich 180m oder 130m zum Grün habe. Für mich sind diese Löcher nämlich keine gefühlten Par 5 Löcher. Wie gesagt wenn es normal läuft habe ich dann ein 9er Eisen ins Grün.

    Eine natürliche Grundlänge mit den drives hat natürlich zur Folge das das auch die anderen Schläge weiter gehen. Aus 150m schlage ich ein Eisen 7. Bei den Meisterschaften am WE habe ich mit Leuten gespielt die aus den Entfernung ein 3er Holz geschlagen haben. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

    Nun ist die Frage ist Lang wichtig meine Antwort, mit 250m drives spielst du noch lange kein Par, aber es hilft ungemein. UND es macht Spaß.

    Am Ende musst du aber die 2m Putts lochen!

  8. Nun ist die Frage ist Lang wichtig meine Antwort, mit 250m drives spielst du noch lange kein Par, aber es hilft ungemein.

    Genau so ist es ! Matthias

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