Fitting oder nicht

Am Wochenende saß ich mit einem (neuen) Bekannten zusammen. Kennengelernt haben wir uns auf der Hochzeit eines Bekannten. Der Bräutigam dachte, wir würden uns gut verstehen, weil „Ihr kommt ja beide aus Hamburg“. Ja, ich bin gebürtiger Hamburger, lebe aber seit 20 Jahren in der Hauptstadtregion.
Das wir uns gut verstanden haben, war allerdings dennoch richtig. Mal abgesehen von den Gattinnen (die wirkten, als wären sie seit Jahren die besten Freundinnen) gab es in der Tat eine weitere Komponente, die uns das Wochenende reichlich Gesprächsstoff gab. Nein, nicht Hamburg, nein auch nicht der HSV (er Fan, ich seit 3 Monaten Ex-Mitglied), sondern der Golfsport.

Er hat vor drei Jahren angefangen und so waren wir schnell beim Thema. Seine Einschätzung „Beruflich kaum Zeit, spiele oft nur morgens und mein Ziel ist unter 20, aber Handicap ist nicht wichtig“ kam mir bekannt vor. Ok, ich bin seit über zwei Jahren unter 20, was mich, trotz seiner „Handicap sei nicht wichtig“ Aussage scheinbar qualifizierte ihm ein paar Fragen zu beantworten bzw. Tipps zu geben.

Seine Hauptfrage war „Soll ich mich (dynamisch) fitten lassen?“
Gute Frage, dass er gerade seinen Schwung komplett umstellt war dann Anlass genug, ihm erst einmal zu mehr Training und einer Etablierung des Schwungs zu raten. Wie sich herausstellte, trainiert er kaum, spielt lieber. Und Trainerstunden nimmt er auch erst seit ein paar Wochen.
Meine ernsthafte Meinung: Bevor ihr euch technischen Schnickschnack oder Schläger für tausende Euros kauft, trainiert lieber mehr. Und dass auch mit einem festen Trainer. Der wird euch dann irgendwann raten, dass ihr euch fitten lassen sollt. Aber was nutzt das beste Equipment, wenn ihr keinen anständigen, reproduzierbaren Schwung hinbekommt?
Warum tausende Euros für Schläger ausgeben (ja, weil die Schlägerindustrie immer neue Hightech-Teile produziert), wenn ihr nicht wirklich Nutzen daraus ziehen könnt?
Natürlich ist die Verlockung groß, wenn es heißt „Der neue Wunderdriver XYZ lässt euch noch länger werden“. Klar, aber anständiges Training und Trainerstunden können das auch. Der Vorteil hierbei: Ihr verbessert euer Spiel wirklich. Nachhaltig.
Wenn ihr das getan habt, dann kann man über gefittete Schläger nachdenken. Nein, nicht können, muss man.
Also, wenn ihr euer Geld in den Sport investieren wollt, tut es bei einem Pro eures Vertrauens und auf der Range. Meinetwegen noch in anständige Bälle und gute Regenkleidung. Denn die sind beide wichtig.
Golf ist eine Sportart, in der gerade am Anfang Fleiß (auf der Range und dem Übungsgelände) schnell belohnt wird,

 Das (dynamische) Fitting (was meint Wiki dazu?) kommt früh genug.

Ja, ihr könnt euch gerne statisch gefittete Schläger kaufen, sprich einen Standardsatz  in der Länge an eure Körpereigenschaften anpassen lassen.
Das macht Sinn, denn der normale Golfschlägersatz ist quasi für den normalen Menschen produziert. Was auch immer die Golfindustrie unter normal versteht, es geht um Körpergröße und Gewicht. 
Doch was bedeutet normal und nicht jeder von uns ist „normal“ groß. Kauft euch gerne die Schläger die in der Länge passen, bzw. die für euch passend gemacht werden, in dem die Schäfte verlängert oder verkürzt werden. Und ja, auch der Griff sollte passen, auch hier kann und sollte man schon beim ersten „richtigen“ Satz statische Anpassungen vornehmen bzw. darauf achten. Da sind durchaus Kosten im überschaubaren Rahmen, die wirklich Sinn machen.
Wenn ihr dann einen „eigenen“ Schwung habt, dann könnt ihr gerne nochmal zum fitten. Schauen lassen, welche Schäfte ihr braucht und was sonst noch alles an euren Schlag angepasst werden kann. Das wird dann alles vermessen, angepasst und eingestellt. Ist am Ende wie ein Massanzug und kostet auch so viel. 
Deswegen sollte euer Schwung und eure Technik schon ein wenig konstant sein.
Dann dürft ihr gerne mehr Geld ausgeben.  Sehr gerne. Die Golfindustrie muss ja schließlich auch von irgendwas leben.

ich gehe jetzt auf die Range. Meinen neuen Schwung noch etwas besser etablieren. Damit das letzte Training sich auch wirklich dauerhaft lohnt. 

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