Helden der Vergangenheit

Viel zu wenig Platz und noch so viel zu erzählen, so oder so ähnlich fühlt es sich an einen neuen Blog meiner Reihe zu beginnen. Man sitzt vor einem (im übertragenen Sinne) lehren Blatt und fängt an zu tippen. Und plötzlich fließt es aus einem heraus. Bei meinem letzten Blog Ein ganz normaler Blog hatte ich zum Ende hin das Gefühl nichts mehr erzählen zu können, doch dann fing ich an nach zu denken und mir sind wieder einige Sachen eingefallen die euch vielleicht gefallen könnten. Ein solches Ding ist mein Treffen mit einer Legende. Aber beginnen möchte ich mit einer Begebenheit aus der absolut jüngsten Vergangenheit.

Jeder Golfer den ich kenne hat sich für sein Golfspiel Ziele gesetzt. Sei es einmal im Leben ein einstelliges Handicap zu haben, die schwere Bahn in Paar zu spielen etc. Mir ergeht es nicht anders, einiges von dieser Liste ist bereits erledigt, das HCP von 0 check habe ich gehabt, Nach St Andrews fahren check, Geld mit Golf verdienen check, Clubmeister sein ch…, irgendwo einen Platzrekord spielen ch…? Also irgendwie ist es mir nicht gelungen die beiden letzten Punkte zu schaffen, OK der Platzrekord wird zunehmend schwerer, selbst in meinen besten Zeiten gelang mir das nicht und das ich das jetzt nochmal schaffe sehe ich eher nicht, mein Spiel liegt derzeit nicht in Regionen die das zulassen würden. Bleibt die Clubmeisterschaft, das ist ein Punkt der muss doch zu schaffen sein. In meinen besten Zeiten hätte ich jede Clubmeisterschaft gewonnen, da durfte ich nicht spielen, dann habe ich ein paar Jahre nicht an Wettbewerben dieser Art teilgenommen. In den letzten beiden Jahren hat mich aber nochmal der Ehrgeiz gepackt und ich habe gut trainiert und mein Golfspiel wieder auf die Reihe bekommen. Ich hatte die berechtigte Hoffnung dieses Jahr (2012) eine realistische Chance zu haben. Ich habe dann auch mitgespielt. Lange rede kurzer Sinn, ich muss es nächstes Jahr wohl nochmal probieren. Meine erste Runde war mit einer 95 eine absolute Katastrophe. Dazu beigetragen hat die Bahn 16 in meinem Heimatclub. Nach sehr schwachen Start hatte ich mich zur Mitte des Turniers etwas stabilisiert, die 11,12,13 und 15 in Par gespielt so das ich in einer Position war das ich mit ein paar guten Schlägen eine Runde in den Mittleren 80ern schaffen könnte, dann wäre ich in einer moving Position gewesen. Die 16 (Par4) ist ein Dogleg nach rechts (90Grad) im Knick ein Bunker und Bäume. Um ab zu kürzen muss ein perfekter Drive mindestens 230 Meter Carry auf der Höhe der Bäume fliegen. kürzt man nicht ab hat man 170 Meter Carry über Wasser. Ich wollte also abkürzen. Ball getroffen, perfekt, bleibt aber einen halben Meter kurz und somit in den Bäumen hängen. Als ich nun zum Ball komme liegt der genau hinter einem Baum. Aber anstatt einen Schlag in kauf zu nehmen und quer aufs Fairway zu chippen will ich den Kunstschlag, 150m um einen Baum rumhooken und übers Wasser aufs Grün. der erste Ball hookte nicht! Er flog 150m geradewegs ins aus. Ball gedroppt, der zweite Ball hookte nicht und folgte seinem Vorgänger direkt hinterher. Der dritte Ball wurde dann aufs Fairway gechippt. Mit dem 7ten aufs Grün und dann einen drei Put und eine 10 Notiert. An die beiden letzten Bahnen  erinnere ich mich nicht mehr, wegen eines absoluten Anfängerfehlers habe ich die ganze Runde und das Turnier weggeschmissen. Ich bin wie gesagt nicht Clubmeister geworden, aber gelernt habe ich wieder etwas. Manchmal sollte man nicht zu übermütig sein!
Es gab Zeiten da gab es in Deutschland mehr als nur ein Profigolfturnier. Damals gab es die German Open, die Deutsche Bank Open, die BMW international Open oder die German Masters. Eben diese German Masters waren für mich sehr interessant weil sie eben in Pullheim bei Köln ausgetragen werden und somit quasi direkt bei mir vor der Haustür. In einem Jahr hatte ich das Glück nicht nur VIP Tickets zu haben mit denen man wirklich überall hingekommen ist, Teil dieses Deals war es auch an einem Meet and Great mit einigen der Spieler teil zu nehmen. Wer nun aber kommen würde das wusste ich nicht. Nur das es am Mittwoch nach dem ProAm stattfinden sollte. Ich stellte mir das alles sehr pragmatisch vor. Welcher Pro nimmt sich denn bitte die Zeit für so was, erst recht einen Tag vor dem Turnier. Also dachte ich das wird in etwa so wie bei Mr Bean der die Queen trifft:
An dem Tag war ich extrem Nervös auch wenn mir klar war das die Spieler maximal ein Hallo sagen werden. Zum entsprechen Zeitpunkt habe ich mich dann auch im VIP Zelt eingefunden, das war das Zelt wo die Spieler Essen, es gab keine Schlange oder so etwas nur ein zwangloses beisammen sein. Dann kamen die Spieler, begleitet von ein wenig Security betrat einer meiner Helden den Raum, Severiano Ballesteros, Der wurde dann auch schnurstracks von ein paar PR Leuten zu mir hin bugsiert. Er gab mir dann auch wie erwartet die Hand und meinte dann da er gerade von der Rund komme und noch nix gegessen hätte ob ich nicht ein paar Minuten mit ihm zusammen etwas essen wolle? Ratet mal ob ich wollte? Im Prinzip haben wir uns dann 30 Minuten lang über dies und das unterhalten, dann hat er sich sehr freundlich von mir verabschiedet. Das tolle war wie normal und ungezwungen er mit mir umgegangen ist. Auch wie viel Zeit er sich für mich genommen hat. Ich könnte jetzt sagen das ich Seve persönlich gekannt habe, das führt aber sicher zu weit, diese Begegnung gehört aber sicherlich zu den Highlights in meinem Golferleben und ich war sehr bestürzt als er gestorben ist. Er war ein wahrer Gentleman und fantastischer Repräsentant unseres Sports.

Apropos German Masters. Wenn ich auf einem Profiturnier zu Gast bin habe ich oft das Augenmerk auf andere Aspekte als das eigentliche Turnier gerichtet. Denn seien wir doch mal ehrlich, das Turnier schaut man sich besser im Fernsehen an wenn man was vom Ergebnis mitbekommen will. Es ist aber dennoch immer wieder faszinierend die Profis Spielen zu sehen. Ich habe zum Beispiel einmal Lee Westwood auf einem Par 5 als zweiten schlag einen Driver schlagen sehen das ist Live extrem krass zumal der Ball neben der Fahne zu liegen kam. Was ich immer gerne mache und was ich jedem Besucher eines Profiturniers empfehle ist die Drivingrange zu besuchen. Wenn ihr die Profis trainieren seht, dann wisst ihr erst was die wirklich drauf haben. Natürlich ist das Training vor oder nach der Runde keine Show Veranstaltung, die wollen einfach nur üben aber manchmal machen die Dinger du glaubst es nicht! Ein Spieler hatte seinen Caddy auf 230 Meter mit einem Baseballhandschuh gestellt. Dann hat er geschlagen und der Caddy fing die Bälle aus der Luft, ohne sich auch nur einmal vom Platz zu bewegen. Robert Carlsson schlug in Pullheim Driver, abgesehen davon das die Jungs Live einfach unfassbar lang sind, war das auch extrem präzise, der schlug die Bälle in einem Radius von ungefähr 2 Metern auf einen Haufen und hat sich dann beschwert das er so unpräzise ist. Ein ander Mal, diesmal war es die German Open als diese noch in Hubbelrath ausgetragen wurde, habe ich Vijay Singh beobachtet. Die Drivingrange in Hubbelrath ist jetzt nicht kurz, an deren Ende war zu dem Zeitpunkt ein Zaun (ich weiß nicht ob das heute noch so ist) der Zaun war mehrere Meter hoch und Vijay schlägt Carry über diesen Zaun. Das war ungefähr die Zeit als Golf verrückt wurde und die Spieler immer länger wurden. Vijay war auch einer der Ersten die so richtig lang waren.

Golf ist ja bekannter Maßen ein Spiel welches höchste Konzentration aber auch Koordination erfordert. diese beiden Eigenschaften passen nicht wirklich gut mit dem Konsum von Alkohol zusammen. Einmal waren wir im Urlaub an der Algarve. Eigentlich wollten wir hier gar nicht Golfspielen sondern nur relaxen. Unsere Schläger hatten wir wohl weißlich aber dabei denn unser Hotel lag in der direkten Nachbarschaft des wunderbaren Golfplatzes Novo Sanctri Petri welcher vom unnachahmliche Severiano Ballesteros designed wurde. Wir buchten also eine Startzeit auf der 27 Loch Anlage und mussten erfahren das wir zwischen den beiden 9 Lochrunden 1,5 Stunden Pause hatten weil der Platz überbucht war. Zudem mussten wir ein Card mieten weil im 5 Minuten Takt gestartet wurde. Die ersten 9 Löcher spielten wir dann auch völlig normal. dann sind wir ins Clubhaus und haben, natürlich nur um die Zeit tot zu schlagen, ein Bier getrunken (ich sollte erwähnen das wir gefühlte 56 Grad im Schatten hatten). Es kam wie es kommen musste, es blieb nicht bei dem einen Bier. Als wir wieder auf die Runde gingen waren wir amtlich betrunken. Wie eingangs erwähnt ist das nichts was einem beim Golfspiel hilft. Im Prinzip wars uns zu dem Zeitpunkt aber auch schon egal, wir „spielten“ die letzten 9 Löcher dann auch mehr oder weniger konzentriert zu Ende. Lustig fand ich dabei eigentlich nur das Fahren mit dem Card, wir kurften munter über die Wiese. Am letzten Loch, das Grün lag in der Nähe der Clubhaustherasse, befindet sich eine in einem Metalgehäuse verpackte Meerwasserentsalzungsanlage (also die steht jetzt nicht direkt neben dem Grün sondern etwas abseits). Mein Schlag ins Grün war mir etwas verrutscht und traf mit voller Wucht diese Entsalzungsanlage, das gab einen riesen Knall und der Ball landetet danach auf der Clubhaustherrasse. Wir haben dann zu Ende gespielt und sind erst mal ins Hotel um kalt zu duschen, Alkohol und Golf passen nicht zu einander wir schworen uns das nie mehr zu machen, lustig war es aber allemal.

Zum Abschluss möchte ich nochmal an den unvergleichbaren Severiano Ballesteros erinnern er war und ist einer meiner absoluten Vorbilder und Helden.

RIP SEVE

3 Gedanken zu „Helden der Vergangenheit

  1. Ja bin ich, einmal, bei der Deutschen Bank SAP Open auf Gut Kaden. ich hatte vorher da gespielt, hatte also einen direkten Eindruck wie die Bahnen sich spielen. Was inside the Rope so krass ist sind die Kommentare und Unterhaltung der Spielr, die man viel besser mitbekommt.

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