Immer noch unfassbar – Ryder Cup 2012

Unglaublich. 
Die ganze Golfwelt spricht immer noch davon. Egal wen man fragt, jeder hat die Bilder immer noch vor Augen. Diesen unvergleichlichen Moment, als schier unmögliches möglich wurde. Als Europa wirklich mal eine Einheit und nicht nur ein Lippenbekenntnis von Staatsmännern und –frauen.  Keine Interessengemeinschaft von Schuldnern, sondern eine Masse an Menschen, die über Grenzen hinweg nur eines wollten: 
Den (gemeinsamen) Sieg!
Einen Sieg, der ob der Übermacht des Kontrahenten undenkbar schien.
Einen Sieg, in einer Sportart, die viele sonst eher nur am Rande wahrnahmen. Von denen einige inzwischen sagen, dass sie es auch mal probieren wollen, mit dem Golf. Bei Twitter haben viele der Menschen denen ich folge Ryder Cup geguckt und viele waren geflasht und mit einigen werde ich demnächst, für einige zum ersten Male in ihrem Leben, auf die Range gehen, damit sie auch mal den kleinen weißen Ball schlagen. So sie ihn den treffen.  Und ich bin mir sicher: Treffen sie ihn, werden sie wieder kommen wollen. 
So wie wir alle, die wir inzwischen mit viel Herzblut diesen Sport ausüben, über den viele immer noch sagen, es wäre gar kein Sport.…->
Doch zeige mir irgendwer irgendein Sportevent, dass einen ähnlichen Verlauf nahm, wie der Ryder Cup 2012. Zeige mir irgendwer ein spannenderes Finish als das am vergangenen Sonntag in Medinah, Chicago… 
Ich wüsste auf Anhieb keines. 
Vielleicht, von der Dramaturgie her, das CL-Finale 2012, aber das war sportlich nicht auf so einem extrem hohen Niveau, wie das was die 24 Akteure am Sonntag auf dem Course #3 (unsere Platzbeschreibung klickst Du hier) im Medinah Country Club gezeigt haben. An dem Tag, als Helden geboren und eine Legende entstand
Ich kenne Leute, die haben sich das Video vom Kaymerputt inzwischen 100 Mal angeschaut. Mindestens.

Ich bekomme beim Betrachten der Bilder immer noch Gänsehaut und habe zig Gedanken und Momente im Kopf, die mir beim Stichwort Ryder Cup einfallen. Starke Amerikaner, grandiose Amerikaner, unglückliche Amerikaner. Eher schwächelnde Europäer, gute Europäer, kämpfende Europäer, herausragende Europäer. Ich habe einen um Lichtjahre gealtert wirkenden Jóse Maria Olazábal vor Augen, der erst am Sonntagabend langsam wieder erholt und gelöst wirkte.
 

Ich habe Mr. Ryder Cup, Ian Poulter vor Augen

Der, wie in jedem Ryder Cup, immer alles gab. 
Ich habe natürlich zig andere Momente vor Augen, insbesondere den, von dem Martin Kaymer hinterher sagen sollte: 
„Jetzt weiß ich endlich wirklich, wie es sich anfühlt den Ryder Cup zu gewinnen“
 

Viele Freunde von mir, auch viele Nichtgolfer, haben das geguckt, bei uns auf im Liveticker auf Facebook drei Tage lang mit kommentiert. Und die meisten haben mich gefragt, ob und wo es Karten gibt. Für 2014, in Gleneagles. Und die Frage ar ernst gemeint. Auch ich denke gerade ernsthaftest darüber nach, ob und wie ich das hinbekomme, Ende September 2014in Schottland live vor Ort zu sein. Das Fieber hat also nicht nur mich, sondern viele, viele Menschen gepackt. Das Golffieber. Und es wird bestimmt kein Eintagsfieber sein, sondern es wird bleiben.

Doch warum ist das so?
Ich glaub, es liegt zum einen daran, dass man sich auf 24 Spieler konzentrieren konnte. Das es zwei Teams gab, von  denen man eines supporten konnte. Das es 26 Matches gab, in denen es hieß: Siegen oder verlieren (oder halt Remis). Egal wie der Score war. Das ist etwas, was der Sportfan im kennt. Siegen, verlieren oder remis. Damit kann er sich identifizieren. Das ist einfach, schnell nach vollziehbar und eine schlechtes Loch, ein unglückliches Match ist schnell abgehakt. Anders als im Zählspiel, wo man irgendwelche Zwischenstände von zig Spielern sieht (auch spannend, aber eher für Golfer). Matchplay ist halt KO-System. Und jedes KO-System ist spannender als Gruppenspiele, das haben wir nicht erst beim Ryder Cup gelernt, sondern kennen das aus vielen anderen Sportarten. Wenn man dann noch weiß, dass ein schlechtes Ergebnis nicht alle anderen mehr benachteiligt, ist das sehr einfach zu verstehen, erhöht die Spannung und wenn es dann noch so dramatisch zu geht wie beim Ryder Cup, dann muss ich gar nicht verstehen, was ein Birdie ist. Ich muss nur begreifen, dass der Spieler das Loch gewinnt, der weniger Schläge dafür absolviert. Und wer am Ende mehr Löcher gewonnen hat, hat einen Punkt für sein Team geholt (oder einen halben bei Remis). Ich weiß sehr schnell, dass am Ende das Team gewinnt, das die meisten Punkte holt. 

Das Spiel wird so für jeden verständlich und auch emotional greifbar, Dramatik baut sich noch schneller auf und man hat halt einen Favoriten für den man ist. Und wenn am Ende so eines Ryder Cups Sieger und ein Verlierer feststehen weiß man wozu man gehört. Und wenn dann als Auswirkung tatsächlich Menschen, die bisher nie den Gedanken hatten, anfangen sich mit dem Golf auseinander zusetzen und es am Ende sogar selber mal probieren wollen, was kann man als Sportart mehr erreichen?
Leider kann man nur sehr schwer Matchplay-Turniere organisieren, weil da entweder zu wenig Spiele mitspielen können, oder es zu lange dauern würde. 
Aber gerade dieses Matchplay hat diesen Ryder Cup so unglaublich spannend und unvergesslich gemacht. und zur besten Werbung, die sich unser Lieblingssport nur wünschen kann.
Umso unverständlicher ist es,
dass es Funktionäre gibt, die einen bestehenden Matchplay-Wettkampf-Modus freiwillig aufgeben. Warum auch immer…
Vielleicht spielen sie selber gar kein Golf? Aber eigentlich nicht, denn es sind doch Golf-Funktionäre…
So geschehen beim DGV (dazu hatten wir hier im Februar schon ausführlich gebloggt), der ja bekanntlich dieses Jahr die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften ab 2013 vom Matchplay-Modus an einem Wochenende (die letzten Jahre immer in Bad Saaow) auf Gruppen-Zählspiel-Modus mit 5 Spieltage zzgl. KO-Wochenende umgestellt hat. 
Warum auch immer…
Nicht nur, dass viele der kleineren Club wirtschaftliche Probleme bekommen werden, überhaupt Teams auf die vier Reisen zu pro Saison zu schicken, auch wird die Vermarktung, die so schon schlecht genug war, noch schwieriger. Und auch das mediale Interesse das so schon eher gering war, wird mit Einführung der Gruppenspieltage sicherlich genauso wenig zu nehmen, wie das Interesse vor Ort, denn der Zählspielmodus macht die Sache nicht übersichtlicher. 
Im Gegenteil.
Aber hey, warum erfolgreiche Dinge beibehalten, wenn man im Interesse einiger weniger (zugegebenermaßen sehr einflussreicher) Menschen handeln kann. Wen interessieren schon Zuspruch oder Aufmerksamkeit, wenn es um Golf geht…? 
Den DGV und seine Funktionäre eher leider nicht. Und das sich diese Funktionäre dann wundern, dass eine Deutsche Ryder Cup Bewerbung weniger Chancen als Schnee in der Sahara haben dürfte, zeigt wie wenig sie es verstanden haben worum es wirklich geht. 
Schade. 
Wir brauchen und wollen mehr Aufmerksamkeit für den Sport. Dann lasst ihn uns bitte auch so attraktiv wie möglich betreiben. Und dass gerade der Matchplay Modus Leute über alle Golfergrenzen hinweg begeistern kann, sollte ein Grund  mehr sein, unser Handeln zu hinterfragen und ggf. Fehler zu korrigieren. Einfach mal von den erfolgreichen Beispielen lernen. Aber das wird halt nicht passieren, weil einige wenige wieder einmal andere (vereinspolitisch gesteuerte) Interessen verfolgen. Ich werde das alles nicht verstehen. Und ich werde das alles auch nicht ändern können. 
Was ich aber machen kann, ich kann mich jetzt mal um Karten für Gleneagles 2014 kümmern.
http://www.rydercup.com/europe/news/pre-register-interest-2014-ryder-cup-tickets

11 Gedanken zu „Immer noch unfassbar – Ryder Cup 2012

  1. Moin Thomas,

    Wie immer schöner Blog. Ich habe es schon mehrfach gesagt und ich sage es wieder, ich bin immer noch geflashed. Es ist ganz selten das ein mediales Ereignis so lange in mir nachwirkt wie dieser Ryder Cup. Es waren ja nicht nur die Herren die für die Schlagzeilen gesorgt haben wie Kaymer oder Poulter sondern auch die kleinen Dinge am Rande, wie McIlroys verschlafen und fast zu spät kommen und dann doch gewinnen, oder Paul Lawrie den keiner auf der Rechnung hatte und der dann mal eben den FedEX Cup Sieger wegbügelt. Oder Westwood den Colin Montgommery am Tag vorher noch als übelsten Versager abgestempelt hat, dann holt der seinen Punkt nd wo war Montgommery dann? Es war natürlich dieser letze Put von Kaymer z dem er jetzt in Schottland sagte das das mit nichts zu vergleichen sei auch nicht mit einem Putt zum Major Sieg, er glaube nicht das er jemals nochmal so einen Putt spielen wird. All das wirkt nach in mir und ich bin heil froh das ich Sonntags wach geblieben bin es war der Hammer.

    Was den DGV angeht und das Golf in Deutschland, ich habe aufgegeben. Ich spiele nur noch da wos mir gefällt und so wie ich will um Clubs und Funktionäre schere ich mir schon lange nicht mehr. Schade eigentlich aber wenn man es anders will, dann muss man auswandern.

    Ich habs ja schon in FB geschrieben wenn es ne Tour 2014 nach Glen Eagels gibt bin ich dabei. Lass mal was organisieren.

  2. zum Ryder Cup sag ich nur soviel das ich, aufgrund der Bisspuren, neue Sofakissen bezahlen muss ( es wohnen halt noch andere Leute mit im Haus). Es war …… es gibt für mich keinen Superlativ der auch nur annähernd das audrückt was dort passiert ist .
    Was Gleneagles betrifft ich komme mit, sag mir wohin mit der Kohle und wieviel . Eingetragen habe von ich das schon von DO -Mo !!
    gruß Matthias

  3. Also bei dramatisch und Sport fällt mir immer wieder das WM HF 1982.
    Das hat auch dieser Ryder Cup nicht erreicht. Aber er war verdammt nah dran.

    2014 habe ich schon VOR dem Ryder Cup im Kopf gehabt. Also das eventuell anwesend sein dort. Und ich golfe nicht mal.
    Detlef

  4. Hallo Thomas,
    deinem Blog-Beitrag ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Der RyderCup war was den Sonntag angeht noch mal um Längen besser als 2010 in Wales.

    Auch was Matchplay angeht, bin ich voll auf deiner Seite. Auch wenn ich das für die Mannschaftsmeisterschaften auch im Matchplay und über mehrere Spieltage für machbar halte. Dein Argument was die Reisekosten angeht kann ich verstehen, ich denke aber das die Teilnehmenden Clubs für solche Meisterschaften auf Greenfee verzichten sollten um die kosten zu reduzieren.
    Aber es ist doch schon zu sehen, das der Großteil der Funktionäre (egal welchen Verbandes) von tuten und blasen keine Ahnung haben aber dafür mit sicherer Hand, immer die falschen Entscheidungen terffen zum Wohle "aller" (ich kann es leider nicht als Durchgestrichen schreiben) ähm sehr weniger.

    bis denne
    rebel

    p.S. sehen wir uns 2014 in Schottland?

  5. Ich sehe schon.
    Da wird wohl ein Wandertag bzw. eine Golfwoche im September 201 fällig 🙂
    Wenn wir das machen, müssen wir uns auch (im Vorfeld) überlegen, wer wann und wie lange mitfährt.
    Ich denke schon, dass es Sinn macht, die tage vor dem RC schon vor Ort zu sein, denn dann kommt man besser an die Spieler ran 🙂
    Und es stellt sich die Frage, spielen wir selber auch.
    Also nicht mit, sondern alleine.
    irgendwo da.
    Wo zig hundert Golfplätz sind.
    Ich fände das schon cool.
    Aber ich mach dazu noch mal ein extra Thema auf!

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