Kann man mal machen, muss man aber nicht

Ein Sportevent zu vermarkten ist heutzutage bestimmt keine leichte Sache. 
Zum einen gibt es davon viel zu viele, zum anderen sind Sport-Sponsoren eher an medienaffinen und TV-starken Events interessiert. So hat die Fußball-Bundesliga sicherlich die geringsten Sorgen sich zu vermarkten, höchstens teilweise exorbitante Forderungen (für den Liganamen z.B.) schrecken die Big Spender von einem Engagement ab. Wenn überhaupt. Dafür bekommen die Sponsoren volle Stadien, volle Medienpräsenz und
eine hohe Emotionalität des Konsumenten.
Wenn man außerhalb der bekannten Events dann mal auf die „Randsportarten“ guckt, sieht man, wie schwer die Vermarktung ist. Hauptgrund ist sicherlich die fehlende Medien bzw. TV-Präsenz. Kunden wollen schließlich Aufmerksamkeit, sprich Reichweite für ihre Marken- und Produktkommunikation. Und so ist man auf Seiten des DGV (Deutscher Golf Verband) bestimmt schon mehr als froh, mit diesen vier bekannten und etablierten Golfpartnern zusammenzuarbeiten.

Doch was mich wundert:
Wie sieht das Engagement aus?
Bezieht es sich lediglich auf eine Präsentation auf der Website und in allen Publikationen des DGVs? 
Warum sah man bei einem der Highlights des deutschen Golfsports, den DMM am Wochenende, nur ganz, ganz wenige Werbebotschaften? War kein Geld für Aufsteller und Fahnen zur Präsentation vorhanden oder war das den Sponsoren egal, was da passiert, weil ohnehin kein TV und auch nur wenige (externe) Zuschauer vor Ort waren? 
Und was war mit kleineren Partnern?
Hätte man nicht mehr machen können/müssen/ auch medial?
Wollte man keine finden oder war das den Verantwortlichen egal oder zu mühselig?
Ich habe weder Antworten auf diese noch auf weitere Fragen, ich fand es nur etwas irritierend, wie wenig Sponsoren die Veranstaltung hatte und wie diese präsentiert wurden. Vielleicht bin ich auch zu naiv oder habe ein zu großes Anspruchsdenken an eine Deutsche Meisterschaft. ich weiß es nicht.
Aber immerhin handelte es sich um eine offizielle Deutsche Meisterschaft und die besten deutschen Golfer/-innen am Start waren am Start. Sportlich war also alles vorbereitet. Und dank des Modus war immer auch Spannung garantiert.
Doch Zuschauer waren kaum anwesend. Genauso wenig wie Medien.
Dazu passend fiel mir ebenfalls auf, dass lediglich drei (Damen) Teams einen Sponsor auf dem Trikot hatten. Das waren der DM aus St. Leon-Rot (Allianz), der Vizemeister vom Münchner Golfclub (Berenberg Bank) und die Damen aus Berlin Gatow.
Warum mir das mit den Sponsoren so wichtig ist?
Zum einen  kann man mit einer guten Vermarktung (viel) Geld einspielen, das dann u.a. dem Breitensport zu Gute kommen kann. Zum anderen kann man damit Medienpräsenz kaufen/bekommen und dort wieder für das Event an sich und die Sportart im speziellen werben und auf sich (und die Sponsoren) aufmerksam machen. Quasi eine positive Aufwärtsspirale, denn erhöhte Medienpräsenz vereinfacht die Vermarktung und die steigert das Interesse am Sport…
Und hätte man dann die Veranstaltung von Seiten des DGVs nicht selber organisieren können, anstatt die Orga dem A-Rosa zu überlassen (müssen/brauchen)?
Vielleicht wollte man aber genau das , denn so hatte man weniger Stress und Arbeit.
Allerdings trat dann auch das eine oder andere Manko, wie z.B. fehlende Verpflegungspunkte für Zuschauer, kein ordentlich funktionierendes Livescoring, keine Playersnight (ebenfalls ein guter Punkt Sponsoren zu werben bzw. zu begeistern). Und eben auch die fehlende Medienpräsenz.
Ja, Golf ist eine Randsportart und ja, es war das erste Olympiawochenende. ABer das ist doch kein Grund überhaupt nicht in den Medien stattgefunden zu haben.

Wenn es vor dem Turnier heißt, die exklusiven TV rechte liegen bei SKY, ist das schön. Doch warum hat SKY die, wenn man ohnehin nichts zeigen will, außer vielleicht einen Kurzfilm wie den vom Finale wie 2011?
Ich finde es sehr schade, dass den Spielerinnen aber auch den Betreuern und Fans auch hier ein stückweit das Gefühl genommen wurde, bei einer Deutschen Meisterschaft zu sein. Man hatte nie das GEfühl, es handele sich um etwas Großes, Bedeutendes. Zumindest ich als Aussenstehender hatte dieses Gefühl nicht. Es war eher so dieses Clubmeisterschaften-Feeling.

Sicherlich haben die zahlreichen Gatow-Fans (die ja auch quasi ein Heimspiel hatten, bei 60 Minuten Anfahrt) am Freitag etwas Flair vermitteln können, doch das kann doch nicht alles gewesen sein? Das man das Event auf das erste Olympiawochenende legt, mag Zufall sein, aber hilfreich ist das sicherlich alles nicht. Und apropos Olympia und Golf.

Golf wird 2016 olympisch. 
Wird Golf, wie die meisten andere Sportarten dort (siehe Schießen etc) auch eine dieser Sportarten, die wir bei Olympia alle 4 Jahre mal (als Kurzzusammenfassung) im TV sehen und danach, wenn überhaupt, nur bei irgendwelchen Superleistungen (siehe Kaymers Majorsieg) mal im Öffentlich-Rechtlichen TV wahrnehmen? Wenn dem so ist, kann man sich diesem Schicksal hingeben und eine Chance verstreichen lassen. Doch wie wollen wir damit die Aufmerksamkeit der Jugend gewinnen, die wir so dringend brauchen? Wie wollen wir den Sport weiter voranbringen und ihm dieses elitäre Image nehmen? Oder wollen wir das gar nicht wirklich, sondern alle tun nur so als ob und bleiben in den gemachten Nestern?
Warum werden einerseits offensichtlichen Chancen wie DMM mit großartigem Sport liegen gelassen, um genau diese Versäumnisse und Defizite dann im Alltag mit (irgendwelchen) Aktionen (so gut diese auch gemeint und sein mögen) zu korrigieren?
Warum?
Wo ist der Grund dafür?
Warum werden zeitgleich mit den DMM  in Berlin/Brandenburg Jugendwettkämpfe ausgetragen, anstatt für jeden Club und seinen Jugendlichen einen Bus zur Verfügung zu stellen, der die Kids und Jugendlich samt Betreuern zu den DMM nach Bad Saarow fährt? Das kostet garantiert wenige als man denkt und schafft Nähe und Begehrlichkeiten bei den Jugendlichen. Und vielleicht auch die Motivation es selber auch einmal so weit bringen zu können.
Und wenn man dann noch solche Aktionen gut kommuniziert, vielleicht findet man dann auch mal Sponsoren, die die Kosten übernehmen und Medien, die sich freuen wenigstens darüber berichten zu können.
Es wäre dem Sport zu Wünschen gewesen.
Denn verdient hat er die Aufmerksamkeit.
Und die Meisterschaften samt ihren tollen Spielerinnen und Spielern erst Recht.
Es sind die besten Golfer/-innen des Landes, bieten wir ihnen doch einen würdigen Rahmen.

Nur Golf bei:

4 Gedanken zu „Kann man mal machen, muss man aber nicht

  1. Hallo Thomas,

    Das was du in diesem und im letzten Blog anspricht ist ein so umfangreiches und ärgerliches Thema, man könnte stundenlang darüber diskutieren. Was du schreibst ist für mich in jedem Punkt richtig und nachvollziehbar.

    Das Kernproblem ist denke ich die Medienpräsenz. Der interessierte Golffan hat in Deutschland nur eine realistische Chance Golf im Fernsehen zu sehen, mit einem nicht ganz billigen Sky Abo. So umfangreich die Übertragung dort ist, so exklusiv ist sie auch. Somit teilt sich Golf ein Problem mit vielen anderen Sportarten. Golf gehört in die Primetime im Ersten. das sage ich als Golf Fanat. Allerdings werden die Sportschützen mit recht den gleichen Anspruch geltend machen.

    Was die Organisation der DMM angeht und der von dir beschriebenen Abwesenheit der Sponsoren muss dem DGV die Schuld gegeben werden. Ich habe den Eindruck dem DGV geht es in letzter Zeit nur darum die Mitgliederzahl zu halten und Exklusivität zu erzeugen (das Hologramthema auf den Ausweisen ist ein gutes Beispiel) In 90% der Golfclubs gibt es überhaupt keine Bestrebung leistungsgolf zu betreiben. Die Clubmannschaft spielt in der Kreisklasse und das reicht dann.

    Sollange ich EDS Runden auf 9 Löchern spielen kann ist ein Sportlicher Gedanke für mich nicht mehr im Breitengolf gegeben.

    Wie man ein Sportevent vermarktet weiß ich nicht, aber auch ich glaube das es Sponsoren geben kann wenn man sie sucht und ihnen etwas für ihr Geld bietet. Das muss nicht zwangsläufig Fernsehpräsenz sein. Man kann ja auch klein anfangen. Die Sparkasse vom Dorf zum Beispiel ist für Regionales Sponsering immer zu haben, nur sponsern die die Kreisliga Fussballclubs, warum nicht den Golfevent?

    Wie gesagt ein schweres Thema, dem du mit Begeisterung für den Sport nicht beikommen kannst.

  2. Ach, das Hologrammthema…dem wollte ich mich nächste Woche ausführlich widmen, nachdem ich ja jetzt zur 2. Klasse der R-Silber-Golfer gehöre…

    Ansonsten, ja, Sponsoren. Sponsoren sind immer gut, aber dazu muss auch eine gewisse Außenwirkung da sein.
    Nehmen wir gerade als Beispiel die deutschen Meisterschaften. Ich wusste jetzt nix davon. Also, dass die stattfinden. Und ich glaube, so geht es den meisten.
    Und da sehe ich auch das eigentliche Problem. EIne Meisterschaft, die fast unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet ist für Sponsoren einfach nicht interessant. Und wenn, dann nur für die lokalen. So ist es ja bei dir mit Gatow, so ist es auch in Mainz. Die Sponsoren dort sind allesamt lokale Unternehmen mit Sitz in der Stadt.
    Das führt dann weiter dazu, dass Unternehmen wie BMW oder die Deutsche Bank, die sich ja doch im Golfsport engagieren, eher in die Staaten mit ihrem Geld gehen als es hier zu lassen. Allei der Umstand, dass Schüco (man möge mir es von Seiten der Firmenleitung verzeihen) einer der größten nationalen Golfsponsoren ist spricht ja Bände.

    Ich würde daher die These aufstellen: Solange Meisterschaften oder sonstige Wettbewerbe nichtmal in den einzelnen Clubs großen Anklang finden (die meisten Spieler die ich bislang erlebt habe waren alles andere als "competitive") wird eine deutsche Meiserschaft auch weiterhin ein Schatendasein fristen. Und damit auch keine Sponsoren anlocken, die Kohle mitbringen.
    Ich würde das gar nicht so sehr auf den DGV oder eine vermeintlich gewollte Exklusivität schieben sondern schlicht auf mangelndes Interesse.

  3. Das mit dem Hologramm mach bitte mal Finde ich sehr spannend, auch weil es die meisten gar nicht auf der Pfanne haben.

    Und ja, solange die Clubs nichts kommunizieren kommt an der Basis auch nichts an.
    Aber es gibt auch andere Kommunikationskanäle.
    Die man nutzen kann/muss.
    So ein Event muss mehr Aufmerksamkeit bekommen, dass haben sie alle verdient, die dort mitwirken!

  4. Also was du da zu den DMM geschieben hast und das nicht mal die Jugend zu so einem Turnier gefahren wird – das ist schon nicht mehr in Worte zu fassen. Im Bereich Floorball aus unserem Verein, da wird gerade auf so große Sachen wie Meisterschaften wert gelegt und da wird ein Bus gemietet und die Halle gerockt. Was besseres zur Motivation kann man sich doch gar nicht entgehen lassen.

    Das Golf dann nirgends wahrgenommen wird – ist somit auch Hausgemacht und hilft natürlich überhaupt nicht den Sport für Sponsoren interessant zu machen.
    Da müssen die einzelnen Clubs noch ganz viele Hausaufgaben machen.

    In dem Zusammenhang finde ich es ganz richtig, das der Ryder Cup nicht nach Deutschland vergeben wurde. Auf dem Gebiet müssen wir alle noch ganz gewaltig arbeiten und wirkliche Emotionen rein bringen – nicht wie in dem Schlaftabletten Video von der Bewerbung zum RC

    bis denne

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