Profigolfer sind auch nur Menschen

Am vergangenen Samstag war wieder einmal Monatsbecher in meinem Club. Bisher hatte ich irgendwie nie Zeit und daher war es auch mein erster Monatsbecher dieses Jahr. Und was soll ich sagen?
Wir hatten einen tollen Flight, wir hatten gutes Wetter und wir hatten viel Spaß….
Da alle vier Spieler/-innen meines Flights in der Nettoklasse 2 (Hdcp  -18 bis -36) unterwegs waren, war das spielerische Niveau ok und wir waren mit ca. 5 Stunden auch ganz ordentlich unterwegs. Obwohl so mancher Ball (bei mir leider auch einmal umsonst) gesucht und so mancher Fehlschlag ausführlicher bedauert wurde. Aber es gab auch so manche, wirklich gute Schläge und auch die wurden natürlich entsprechend gewürdigt, einige (wenige) sogar fast frenetisch gefeiert. Ich hatte, neben einem Chip-in vom Vorgrün aus zum Birdie an der 4 (einem Par 3) nicht wirklich viele gute Schläge. Die Eisen waren in Ordnung, aber meine Abschläge waren, wie so oft eher zu kurz. Das hatte vor allem den Grund, dass mir Sicherheit wichtiger als Länge war und ich deshalb fast alle Abschläge auch auf dem Fairway platzieren konnte. Die Annäherungen waren meinem Handicap angemessen, sprich mal so und mal so. Das ich nicht jedes Grün (eher fats keins…) in Regulation getroffen hatte, empfand ich nicht als schlimm, zu mal ich Chipen und Pitchen für mich inzwischen als Lieblingsschlag entdeckt habe. Im Gegenteil, es war auch bei einigen bahnen nie mein Ziel mit dem Zweiten das Grün zu erreichen (wenn es zu weit oder das Risiko zu groß schien).
Klar waren auch einige Schläge eher miserabel, alles in allem aber meinem Handicap angemessen. Der Annäherungsschlag an der 9 (meine 18te Bahn) rettet mir das Par, nachdem ich meinen zweiten nicht so getroffen hatte. 
Generell war mein Matchplan geduldig zu sein und taktisch zu spielen. Eher vorgelegen, als aggressiv  zu spielen. Aber das klappte auch nur bedingt, denn den einen oder anderen Schlag hätte ich lieber aggressiv spielen sollen, so schlecht wie der „Vorgelegte“ manchmal war…. Der Hammer, im negativen Sinne, war die 5 an der 7ten Bahn (180 Meter, Par 3).

Ich liege mit meinem Abschlag auf dem Vorgrün und spiele dennoch eine 5. Ok, es  waren vom Vorgrün aus, auch noch fast 30 Meter zur tief stehenden Fahne. Aber eine 5? Vier Schläge auf dem Grün sind zu viel. Definitiv. Viel zu viel. Und das Putten war am Samstag durchgängig eher mein Problem.  Ich habe für maximal 40 cm sagenhafte 6 Schläge gebraucht habe. 6 Putts von der Lochkante gemacht zu haben ist einfach zu viel. Zu viel Pech, aber sind auch zu viele Schläge um sich im Handicap zu verbessern. Am Ende kam ich mit 35 Nettopunkten ins Clubhaus. 
Meine Scorecard vom Monatsbecher, 21.07.2012
Mein Handicap steht nach wie vor bei -24,7 und meine (nie geplante) Teilnahme an der Clubmeisterschaft kann ich langsam auch theoretisch zu den Akten legen, den das benötigte Handicap von -18,4 packe ich nicht. Bis Anfang August.
Packend war hingegen The Open. Was für ein toller Platz, dieser Royal Lytham & St. Anne’s,  was für tolle Spieler und Schläge. Aber auch was für Dramen! Das Tiger am Sonntag seinen 2ten an der 6 in den Bunker haut, war eher Pech. Das der Ball dann fast unspielbar an der Bunkerkante lag und er mit einem Triplebogey alle Minichancen auf den Sieg verspielte, war eher Tiger-like, denn wie man es besser hätte machen können zeigte direkt nach Tiger G-Mac. Selber Bunker, fast selbe Lage. Er spielte die 5. Aber auch das macht Tiger am Ende sympathisch. Er geht halt immer auf Sieg. Immer. Das Adam Scott allerdings so ein Desasterfinish hinlegte war das eigentliche Drama. 70 Löcher lang ist er der mit Abstand coolste Typ auf dem Platz, liegt zwischenzeitliche 5 Schläge in Führung um dann auf den letzten vier Bahnen mit 4 Bogeys den Titel doch noch an Ernie Els abzugeben. The Open auf diese Weise doch noch zu verlieren, ist fast unerklärlich. Aber am Ende auch menschlich und für uns Hobbygolfer wohl auch tröstlich. Passiert uns so etwas doch häufiger. OK, wir verlieren keinen Majortitel und damit Ruhm und hunderte von Tausend Euros an Preisgeld, sondern „nur“ ein paar Schläge und damit vielleicht das eine oder andere Amateurturnier. Aber uns begegnen diese „Schicksalsschläge“ immer und immer wieder. Demut ist das was ein Golfer als erstes lernt. Und wenn man damit nicht umgehen kann, macht es einen Spieler kaputt. Andererseits ist aber genau das nicht auch der Hauptantrieb? Zu wissen, es geht besser? Und so geht es auch den Pros. Und mir, wenn ich denen im TV zuschaue.
Wenn wir aber schon nicht ansatzweise die Längen der Pros haben, beruhigt es doch, wenn man sieht, dass auch sie die kurzen Putts vorbeischieben oder einfach taktisch falsch agieren. Ich weiß nicht, was mit Scott ab der 15 los war, aber das sah nicht souverän aus. Bei allem Lächeln, bei aller guten Miene zum Spiel (zumindest bis zum verpassten 2 Meterputt auf der 18).
Ganz anders war Ernie Els.
Der immer nur auf sich und sein Spiel geschaut und alles Mögliche getan hat, um im Spiel und Turnier zu bleiben. Der nicht, wie Tiger aber auch G-Mac zeitweise, Harakiri spielte, sondern sein Spiel durchzog. Und konsequent seine Chancen suchte und nutze. Den 6 Meter Putt an der 18 macht auch nicht jeder. Und das ist es, was ich mir vorgenommen habe. Mein Spiel zu spielen und nicht auf meinen Score zu achten. Sondern nur auf den nächsten Schlag, denn der ist alles was ich machen kann, wenn ich am Ball stehe. Den nächsten Schlag so gut wie möglich machen.
Am nächsten Wochenende geht es bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaftenebenfalls um Ruhm. Und um Titel, nämlich den des Deutschen Mannschaftsmeisters 2012.
Vom 02. August – 05. August spielen im Sporting Club Berlin Scharmützelsee e.V. die jeweils acht besten Damen- und Herrenmannschaften ihren Meister aus.
Wer Zeit hat und/oder in der Nähe ist, sollte sich das unbedingt einmal Live und in echt anschauen. Es ist sehr beeindruckend, die besten deutschen Amateurgolfer/-innen einmal live zu sehen. Und ich werde natürlich auch vor Ort sein und darüber berichten. Am kommenden Mittwoch gibt es hier einen ersten ausführlicheren Vorbericht.

Nur Golf bei:

2 Gedanken zu „Profigolfer sind auch nur Menschen

  1. " Und das ist es, was ich mir vorgenommen habe. Mein Spiel zu spielen und nicht auf meinen Score zu achten. Sondern nur auf den nächsten Schlag, denn der ist alles was ich machen kann, wenn ich am Ball stehe. Den nächsten Schlag so gut wie möglich machen. "

    Eins meiner grundsätzlichen Probleme ist die Hektik. Ich hatte am Freitag mal wieder das Glück mit einem sehr geduldigen HCP 15 Spieler die Runde zu gehen ab dem 7 oder 8. Loch lief es gar nicht mehr bei mir. Nachdem er sich das Elend ein paar Löcher lang angeschaut hatte fragte er mich warum ich so nervös wäre ? Es ginge doch um nichts! Ne Antwort auf die Frage hatte ich nicht !

    Gutes Spiel für Alle ! Matthias

  2. In meinem Flight war eine Frau, die konnte den Ball kaum aufteen, so hat sie vor Aufregung gezittert. Ich habe echt vier Bahnen gebraucht, dass sie den Gedanken "Ich bin nervös" wenigstens ab und zu mal aus dem Kopf bekam. Nach 12 Bahnen wurde sie dann etwas entspannter und nach 15 hatte sie nur noch Spaß. Da war aber auch schon alles im Eimer. Scoremässig…
    Ich weiß nicht, nervös bin ich selten. Ich fokussiere mich wirklich immer auf den Schlag. Neben mir können die quatschen, das nervt mich (meistens) nicht…
    Nur wenn ich schlechte Gedanken habe (Mach keinen Shice…) versuche ich abzubrechen und neu anzusprechen. Und das gelingt mir zu selten. genau wie die richtige Einschätzung, wann Risiko besser als Vorsicht ist… Aber ich bin Anfänger. und ich habe dennoch viel, viel Spaß auf jeder Runde.

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