Schwunghafte Entwicklung

So, da bin ich wieder!
Nachdem ich mich ja in den letzten Wochen ansatzweise in die Geheimnisse des kurzen Spiels habe einweihen lassen stand in dieser Woche nun die spektakulärere Einheit an: Langes Spiel.
Seien wir mal ehrlich, wenn man an Golf denkt, dann stellt man sich als Laie weniger Leute vor, die verkrampft einen kleinen Schläger halten, eine gefühlte Ewigkeit über einem Ball stehen, nur um ihn dann leicht anzuschubsen.
Nein, es geht um die spektakulären Schläge, mit dem Schläger, an dessen Ende ein Kleinwagen befestigt ist. Die Schläge, die ca. 500m weit fliegen und eigentlich die Freigabe des Towers des nächsten Flughafens bräuchten. DAS ist Golf!
Dachte ich zumindest, bevor ich damit angefangen hatte.
Denn zur Begrüßung wurden uns vom Pro gleich mal diese Illusionen genommen.
„Drive for the show – putt for the money“
Mit diesem Sinnspruch wurde uns verdeutlicht, dass ein langer Drive zwar was Tolles sein kann, es aber trotzdem darauf ankommt, den Ball am Ende auch ins Loch zu bekommen.
Wieder eine Illusion weniger.
Ich bin mal gespannt, ob der Sport am Ende meines Kurses noch etwas mit dem zu tun hat, was ich mir vorgestellt hatte.
Aber der Reihe nach.
Ausgerüstet mit einem Eisen 7 und einem Holz 4, auch Hybrid oder Rescue genannt (wobei mir der Name Hybrid mehr zusagt. Klingt so Akte-X-mäßig) gingen wir zielgenau auf die Driving Range. Eine Entscheidung, die dem leichten Nieselregen geschuldet war, der den ganzen Tag schon seine Bahnen zog.
Dort wurde erstmal das beurteilt, was wir für einen Golfschwung hielten.
Also. Ball aufs Tee gesetzt, das Eisen 7 fest in die Hand genommen, ausgeholt, Abwärtsschwung begonnen und durchgeschwungen bzw. sich den Schläger auf den Rücken geknallt.
Wenn man diese Schwungbewegung bei anderen sieht, sei es auf der Range oder im TV, dann sieht das ja per se gar nicht allzu schwer aus. Da schocken einen auch die Behauptungen nicht, dass es sich beim Golfschwung um die zweitschwerste Bewegung der gesamten Sportwelt handeln soll. Zumal mir bis heute nicht klar ist, was die Schwerste sein soll. Möglicherweise der Torabschluss eines Spielers des 1. FC Köln, ist aber nur eine Vermutung.
Auf jeden Fall, wie ich das letzte Mal schon geschrieben hatte: How hard can it be?
Nun, ich war überrascht. Und zwar davon, wie viel man bei einem solchen Bewegungsablauf doch falsch machen kann. Ich glaube, es gab keine einzige Phase, in der mein Pro an mir nichts zu meckern hatte.
Stell dich breiter auf, halt den Oberkörper in einer Ebene (ich dachte, das hatte ich getan), den Schläger nicht so weit hinter den Kopf, das Schlägerende muss da und da sein, Handgelenke mehr abwinkeln, Handgelenke weniger abwinkeln, Am Anfang so, als ob du an einem Seil ziehst, mehr drehen, weniger drehen, Fuß stehen lassen, stehen bleiben.
Das stehen bleiben bezog sich auf meine Angewohnheit, derart viel Energie in den Schlag zu legen, dass mich der Schläger ein wenig mitzog und ich zu kämpfen hatte, das Gleichgewicht zu halten.
Auf meine Frage, ob es dafür Strafschläge geben wenn ich umfalle verneinte mein Pro dies, beschied mir aber, ich würde ausgelacht werden. Und das will ja auch keiner. Zumindest nicht dafür.
Also machte ich mich daran, das eben bemängelte Schritt für Schritt abzustellen.
Erst sorgte ich dafür, dass mein Rückschwung etwas gleichmäßiger und rhythmischer aussah und dabei gleichzeitig das Schlägerende in Richtung des Balles zeigte. Wie das alles ohne Geodreieck funktioniert hat, tja, ich bin gut! 😉
Dann konzentrierte ich mich darauf, meinen Oberkörper (was ja ein bekanntes Problem war) in einer Ebene zu halten und ihn gleichzeitig wie gefordert zu drehen. Dann noch die Handgelenke im richtigen Zeitpunkt winkeln bzw. entwickeln und schon sah das, was ich da machte in ungefähr so aus wie ein Golfschwung.
Zumindest sorgten meine Fortschritte bei meinem Pro für den orgiastischen Euphorieausbruch „Sieht ja schon mal ganz gut aus.“ Sowas motiviert ja!
Und schon startete ich den ersten Versuch, einen Ball zu schlagen. Und zwar so, wie ich es jetzt perfekt beherrschte!
Wer allerdings etwas dagegen hatte war mein Körper. Ich weiß nicht, was ich ihm getan hatte oder ob es pure Böswilligkeit war. Aber jedesmal, wenn mein Probeschwung einigermaßen annehmbar war und ich dazu überging, den Ball anzusprechen und zu schlagen kippte ich in dem Moment, in dem ich den Ball traf leicht auf die Fersen, was dazu führte, dass ich den Ball logischerweise zu hoch traf und dieser über die Wiese raste. Obwohl die Längen, die ich damit erzielte auch nicht allzu schlecht waren (zumindest für meine Art zu spielen) war das wohl nicht Sinn der Sache.
Mein kreativer Vorschlag, mir doch einfach während des Probeschwungs einen Ball hinzulegen wurde mit der fadenscheinigen Begründung des Sicherheitsaspektes abgelehnt.
Mir blieb also nichts weiter übrig, als das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Selbst betteln und schreien funktionierte nicht.
Und so verbrachte ich den Rest der Einheit auf den Fersen kippelnd mit den Versuchen, einen einigermaßen anständigen Schlag hinzubekommen. Was weniger oft funktionierte als es schief ging.
Und so beendete ich die Einheit mit einem heiligen Schwur: Bis nächste Woche bekomme ich das in den Griff!
Die gute Nachricht ist, ich habs in den Griff bekommen. Nach einigen Stunden auf der Driving Range in den darauf folgenden Tagen habe ich meine Muskelparteien doch soweit auf Linie gebracht, dass man sagen könnte, ich verfüge jetzt über einen Golfschwung.
Ich stehe fest wie ein Fels, ich schwinge und drehe als wäre ich aus Gummi und die meisten Bälle, die ich schlage fliegen über die selbe Distanz. Mit dem Eisen 5 lande ich zwischenzeitlich regelmäßig zwischen 75 und 100 Metern, meinen Hybrid bringe ich auf rund 90 bis 120 Meter.
Ich fühle mich gerüstet für die größeren Kaliber, die morgen anstehen.
Und ich bin mal gespannt, was mein Körper sich dann wieder für Boshaftigkeiten einfallen lässt.
Eine kleine Tendenz habe ich schon erkannt.
Wenn ich einen Ball schlage, dann macht er im Flug oft ganz lustige Kurven.
Slice soll das wohl heißen.
Mal schauen, wie ich das abgestellt bekomme.
Es wird auf jeden Fall, das hab ich jetzt gemerkt, ein schönes Stück Trainingsarbeit.
Ich freu mich schon drauf!
Nur Golf bei:

4 Gedanken zu „Schwunghafte Entwicklung

  1. Ein Freund von mir sagt immer:
    "Das Spiel heisst nicht wie weit, sondern wie oft!"
    Und bei einem Par 72 geht man von 36 Putts aus…
    Dein Pro hat also Recht.

    Der schwerste Bewegungsablauf im Sport ist Stabhochsprung.

    Und was die komischen Kurven angeht, ich schlage mein Eisen 160 Meter. 100 Meter geradeaus, 60 Meter rechts…
    Schöner Blogbeitrag Alex.
    sehr schön!

  2. Super Alex . Was die Kurven angeht die schlage ich auch. Vor allem ziemlich regelmäßig dann wenn rechts neben meiner Bahn eine andere parallel verläuft und sich darauf Leute befinden.

    FOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORE

    Matthias

  3. Hallo Alex,

    großartiger Blog, wiedereinmal. Das weckt doch Errinnerungen an die eigenen Anfänge. und komischer Weise habe ich ganz ähnliche Probleme. Jack Nicklaus hat mal gesagt das er 2 gute Schlöäge auf der runde macht, wenns hochkommt! Das motiviert doch wenn selbst die Besten immer noch Verbesserungspotential in Ihrem Spiel sehen.

    Viel Spass beim weiteren Üben!

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