Theorie und Praxis

Ihr kennt das. Man übt für eine Prüfung und ist frohen Mutes und dann passiert, was nicht passieren soll. Eingeübtes ist weg. Nicht einmal die einfachsten Dinge schein zu klappen. Und am Ende wird aus einer vermeidlich einfachen Prüfung ein echter Test, der auch mal in die Hose geht.
Mir ist im Herbst klar geworden, dass das was ich Golfen nannte, eher ein wildes gehacke als ein Golfschwung war. Ja, ich habe mit dem „von oben auf den Ball dreschen ohne den  Körper zu roulieren“ ein Handicap von -16,7 geschafft. Und damit fast das Maximum von dem rausgeholt, was mir mein Pro Joel Goodsom vor ein paar Jahren bei einem Training vorhergesagt hatte „Mit dieser Art zu spielen kommst Du bis maximal Handicap 15“. Ich habe damals gedacht: „Wahnsinn, Handicap 15 schaffe ich nie, also was solls?“ Und mich mit meinem Stil angefreundet und den „kultiviert“. Und das nicht nur im Schwung, der genau genommen nie ein Schwung war, sondern auch in der Art wie ich das Spiel strategisch angegangen bin. Ich habe im Zweifel das Treffen des Fairways oder das Vorlegen dem langen, riskanten Schlag vorgezogen. Und es hat funktioniert. Bis Handicap -16,7 und es hätte mich vielleicht wirklich auf Handicap 15 oder so gebracht. Aber da es mir nie um mein Handicap sondern um das Ergebnis ging, war ich im Herbst an dem Punkt, wo mir klar wurde: Arrangiere dich mit dem was du da machst, oder versuch nochmal etwas zu verbessern. Ich werde nächstes Jahr 50, bin nie die Bewegungskanone gewesen und habe auch keine Schnellkraft wie ein30 jähriger mehr. Und ich habe viel zu selten analysiert, was ich spiele und wie ich es spiele. Ich habe weder meine Schläge, Putte etc. ausgewertet, noch habe ich mir gerne Bilder oder Videos von meinem Schwung angesehen. Weil immer wenn ich das tat, mir mein Versäumnis klar wurde. Und wer gesteht sich schon gerne ein, dass das was man da macht, nicht wirklich der beste Weg ist? So habe ich meine Komfortzone ausgebaut, mit meinem sicheren Spiel auch eigentlich immer mein Handicap gespielt und mich stetig verbessert. Ja, das waren Zeiten, wenn man ins Clubhaus kam und sagen konnte 36 Punkte +x. Egal wo, bei welchem Wetter. Und da wir selten Zählspiel spielten, half Stableford mir auch noch dabei, mir etwas vorzumachen und meine Komfortzone weiter auszubauen. Es reichte ja, wenn ich drei-vier Bahnen deutlicher unterspielte, um die zwei Streicher zu eliminieren. ich konnte quasi auf die Gelegenheiten zum Par (das waren immer mindestens drei Punkte) warten und punkten. Doch mit Handicap -16,7 ist man gezwungen auch mal ein paar mehr Par zu spiele, wenn man mal ein loch ausgleichen muss. und wenn man dann Zählspiel spielen will, muss man erst Recht etwas tun. Ich für meinen teil wusste, dass ich deutlich länger werden musste. Ich habe einen normalen Drive von 180 Metern gespielt. Mein Eisen 6 machte so 130 Meter. Das ist aber irgendwann zu wenig. Und ich wusste, meine Hände sind ein Problem, da ich zu sehr löffel. So beschloss ich den Herbst über an dem Problem Hände zu trainieren und nahm mir Stunden. Doch sehr schnell war klar, dass es bei mir nicht nur die Hände sind, sondern Schwungebene, Oberkörperrotation (bzw. die nicht vorhandene), dazu kaum Bewegung in den Hüften, das viel zu frühe Schlagen mit den Händen und so weiter. Also, Training, also viel Üben. Und es sah schnell so aus, dass ich, wenn ich das machte was ich sollte, den ball deutlich besser traf. 
So weit habe ich alles richtig gemacht. Einmal die Woche eine Trainingsstunde. Doch der Fehler bestand darin, dass ich dazwischen viel zu wenig trainiert habe. ich habe zwar kaum auf dem platz gestanden, dafür häufiger auf der Range. Aber etwas, was man jahrelang durch eine Vielzahl an Schlägen automatisiert und kultiviert hat, bekommt man dann auch nur durch viel Training weg. Aber wenn ich die letzten Wochen trainierte, kam schnell der gewünschte Effekt. Ja, ich habe nicht alles 100%ig gemacht, doch alles was ich tat, wurde besser und es gab auch einiges mehr an Weite. Manchmal zwar noch nicht, aber ich wusste, das wird. Und als ich dann sicher war, dass ich es einigermaßen hinbekomme, habe ich mich dann für die Bestball-Jungsenioren-Mannschaft gemeldet. Bestball hilft, wenn man mal einen Fehler macht, dachte ich. Und so ging es auf den GC Motzen. Auf der Range die Kugeln (so schön der Platz in Motzen ist, so schlimm sind die Rangebälle) schön getroffen ging es los. Der erste Drive war gute 200 Meter und ich dachte:Super, das läuft.
Fünf Stunden später wusste ich: Nichts läuft. Okay, die Drives waren besser und weiter als früher. 
Aber der Rest… Mein Kopf und mein Körper sind viel zu schnell in die alten Abläufe verfallen. Ich habe wieder viel zu wenig rotiert, von oben auf den Ball geklopft und war dazu auch noch viel zu passiv. Bestball bedeutet nämlich auch immer zwei Chancen und da greift man an. Was ich viel zu selten tat. Ich habe gespielt, als wäre das Training nie gewesen. Als wüsste ich nicht, wie es besser geht. Nicht perfekt, aber besser. Dann kommt irgendwann die Phase, wo man nur noch sauer ist, aber zwischendurch habe ich dann auch mal den einen oder anderen Ball (fast unbeabsichtigt) so gespielt, wie ich es mir für die Zukunft vorgenommen habe. Aber das war alles viel zu wenig. Und zu vorsichtig. Und einfach nicht das, was ich monatelang trainiert habe.
Ich habe aber hoffentlich daraus etwas gelernt. Und zwar, dass ich noch mehr trainieren muss, um die alten Abläufe zu „löschen“ um den neuen Schwung zu etablieren. In meinem Kopf und in meinem Körper. Golf ist und bleibt auch immer Routine. 
Und ich habe auch gelernt, dass ich jetzt endlich mutiger spielen muss, denn wenn ich es nicht tue, bringt der neue Schwung nicht wirklich etwas. Schon gar nicht bessere Scores.   
Da die nächste Woche das Jungssniorentrainingswochenende in Semlin ansteht und ich auch sonst einiges an Golfrunden haben werde, muss ich mir mehr Zeit auf der Range nehmen. Und ich weiß, dass ich, egal wie ich score, nur mit dem neuen Spiel auf Dauer wirklich gute Ergebnisse spiele. Und das dann aber dann auch erstmals etwas nach Golf aussehen wird. Und das ist es, was ich will. Dieses Gefühl, dass das was ich da mache auch etwas mit Golf zu tun hat. Nicht mit wildem rumgehacke auf einen wehrlosen Ball. 

Also, „Viel hilft viel“ ist mein Motto in den nächsten Wochen. und dann werden wir sehen, was das Training am Ende wirklich gebracht hat. 

Nur Golf findet man natürlich auf

              und         

und jeden Montag ab 19 Uhr im Programm von 

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