Was vom SolheimCup2015 bleibt

Ich weiß nicht wie lange die Vorbereitungen gedauert haben, um so ein fantastisches Golfturnier zu planen und zu organisieren. Ich ahne auch nur die Dimensionen die es an Euros am Ende gekostet hat und die zum Großteil am Ende von einem einzigen Mann privat bezahlt wurden. Klar gab es Sponsoren und Zuschauereinnahmen, genauso wie Merchandising-Einnahmen, aber das wird alles nicht ansatzweise gereicht haben um die Kosten des  Solheim Cups zu finanzieren. Das alles hat Dietmar Hopp getan Einige werden sagen: Selbst Schuld so viel Geld auszugeben für drei Tage Golf. Dann auch noch Damengolf. Und ich sage das nicht ab-, sondern bewertend. Damengolf hat nicht ansatzweise den Stellenwert den der Sport bei den männlichen Profis weltweit genießt. In Deutschland schon gar nicht. Was sehr schade ist, aber in anderen Sportarten ebenfalls festzustellen ist, in denen Männer die Sportart dominieren.

Drei Tage, die eigentlich am Sonntag mit der Anreise der beiden Teams vom Masters in Evian, Frankreich nach St.Leon Rot begonnen haben und eine Woche sind.

12 Spielerinnen aus Europa und 12 Spielerinnen aus den USA spielten an den drei Tagen um den Solheim Cup, den die Europäerinnen vor 2 Jahren in Amerika erfolgreich verteidigt hatten und gerne zum dritten Mal in Serie gewonnen hätten.
 
Und am Ende war es ein Putt der alles entschieden hat. Oder zwei, wenn man zu dem verpassten Par-Putt von Caro Masson zum Sieg an der 18. noch den Putt ihrer Kontrahentin Gerina Piller zählt. 
 
 
Die konnte ihren knappen 3 m Putt, im Gegensatz zu Caro der nicht weiterweg war, lochen und das Match für sich entscheiden. Und so den von den Europäerinnen dringend benötigten halben Punkt zum 14ten Punkt für Europa (was den Sieg bedeutet hätte), verhindern.
 
Aber das wird wohl das sein, was von diesem Solheim Cup 2015 bleibt. Von dem 14,5 zu 13,5 Sieg der US-Girls in St. LeonRot.
 
 
 
Da gab es viel mehr Dinge. 
Sportliche, organisatorische und menschliche.
Hier meine Top 12, die für den Solheim Cup 2015 stehen und ihn geprägt haben.
Das ganze Duzend gibt es in (fast) willkürlicher Reihenfolge und ich habe bestimmt viele Dinge, Momente, Spieler vergessen die auch toll waren. 
Los geht´s aber mit der unumstritten Nr.1, dem Skandal vom Sonntag Vormittag:
 
1. 
Der Gimme-Skandal um Alison Lee auf der 17. beim Samstags Bestball, der wegen Dunkelheit am Sonntag früh zu Ende gespielt werden musste. Die Paarung Lee/Lincicome lag AS an der 17 gegen Hull/Petersen, als Lee mit einem 3 Meter-Birdie-Putt die Chance zum Lochgewinn knapp verpasste. 
 
 
Nach dem Putt an der 17
 
Ein Moment, in dem verschiedenen Dinge einen Entscheidung hinaufbeschworen, die meiner Meinung nach am Ende dem Team USA sogar den Sieg gebracht haben (Video Golfchannel). Nach dem verpassten Putt passierten einige Dinge fast gleichzeitig. Charlie Hull und ihr Caddie verließen das Grün, von dem Suzan Petersen schon runter war. Gelichzeitig beteuert Alison Lee, dass sie ein „It´s ok“ gehört habe und davon ausging, dass der Putt geschenkt war, zu mal nur ca. 50 cm lang (Interview Alison Lee beim Golfchannel). Der Caddie von Suzann Pettersen hingegen bemerkte das niemand etwas gesagt hatte, übrigens genauso wie die Caddies von Lee und Stanford, die beide verirrt und irritiert guckten. Suzan Petersen (Video PK Suzan Pettersen) hatte das von ihrem Caddie angezeigt bekommen und beim Regelrichter angemerkt, der daraufhin regelkonform dieses Handeln mit Lochverlust „Lochgewinn Europa, 1 auf“ verkündete. Referee Dan Marselli dazu ganz klar „no putt conceded“ (Golfchannel) Als er das tat, gab es dann auch keine Chance mehr auf eine Gimme der Europäerin. Die Matchplayregel ist da eindeutig. Wenn das Ergebnis an einem Loch feststeht, kann es nicht mehr korrigiert werden.
Und wenn Charlie Hull weint, weil sie glaubt, dass sei ihr Fehler gewesen und sie sei schuld, dann ist das Ausmaß der Entscheidung zu erahnen. Wie gesagt, ich denke, dieser Vorfall brachte zwar den Europäerinnen das 10 – 6 nach den Vierern, am Ende aber brachte es den Amis das was sie brauchten: Teamgeist und eine „Jetzt erst recht“ Haltung, die sie wildentschlossen auftreten ließ.

* Inzwischen hat sich Suzann Petersen via Instagram entschuldigt I am so sorry for not thinking about the bigger picture in the heat of the battle and competition. I was trying my hardest for my team and put the single match and the point that could be earned ahead of sportsmanship and the game of golf itself! I feel like I let my team down and I am sorry….. To the fans of golf who watched the competition on TV, I am sorry for the way I carried myself. I can be so much better and being an ambassador for this great game means a lot to me.“
 
2. 
Die verpassten zu kurzgelassenen (Birdie-)Putts der Europäerinnen. Ich war überrascht, wie oft gerade bei den Vierern die Europäerinnen Putts zum Birdie/Lochgewinn/Teilen zu kurz ließen. Selbst wenn die Partnerin schon abgesichert hatte, konnte man das häufiger sehen. Team USA hat das viel konsequenter gespielt und aggressiver geputtet. Generell war man sich auf beiden Seiten vorher schon einig: Wer weniger Putts braucht, gewinnt. Und so kam es am Ende auch.
 
3. 
Das bessere Team hat am Ende knapp gegen die besseren Einzelspielerinnen verloren. Auch weil US-Cpt Juli Inkster den Damen alles Schminken und Fahnen aufs Gesicht malen verboten und auf Teambildung im kleinen Stil gesetzt hat. Europa spielte in den Vierern deutlich dem eigentlich Niveau und konnte vieles mit Teamgeist, Fans und gegenseitigem Zuspruch wettmachen. Und mit Herz, wenn man zurücklag. Doch bei den Einzeln sah man die deutliche Überlegenheit der USA, die sich auch in den Weltranglistenposition widerspiegelt.
 
4. 
Charlie Hull, die alle 4 Vierer gewinnen konnte und dabei zweimal mit Suzan Pettersen einen großen Rückstand aufholen konnte. Beeindruckend wie stark die erst 19 jährige aufspielte. 


Am Ende verlor sie ihr Einzel nach einer 3up nach 4 Führung gegen eine furios spielende Christie Kerr, der bei dem Sieg der ältesten US-Spielerin gegen die jüngste Europäerin gleich sagenhafte 9 Birdies gelangen. 


Da konnte man eindrucksvoll sehen, wie sehr Wille UND Können UND Erfahrung am Ende zählen können. Aber das schmälert die Leistung von Hull keines Wegs, die vllt. auch nach dem Vorfall am Vormittag mit dem Vierer noch etwas geschockt war.

 
5. 
Alison Lee. Der einzige Rookie dieses Jahr. Am Donnerstag auf der PK noch als komplett fraglich von Juli Inkster hingestellt, spielte die junge US Amerikanerin drei Vierer und konnte am Ende auch ihren Kummer, die Tränen und Sorgen nach dem Vormittags-Fauxpas mit einem Sieg im Einzel wettmachen. Zumal sie schnell 2 dn war. Aber dann ihren Rhythmus fand und wie schon das ganze Wochenende unglaublich abgezockt wirkte.
 
6. 
Die Stimmung in den Teams. Europa wirkte sehr locker, animierte die Fans, Spielerinnen wie Sandra Gal und Anna Nordqvist saßen während spielfreier Sessions sogar auf der Tribüne.
Anna Nordqvist am Samstag Abend an der 15 
Insgesamt wirkten die Europäerinnen in den Vierern sehr stark und konnten sich gerade zum Ende hin enorm steigern. Was auch daran gelegen haben mag, dass sie während ihrer Spiele viel miteinander geredet haben. 


Team USA wirkte verschlossen und sogar leicht eingeschüchtert und man dachte bei den Vierern, sie würden nur auf die Comebacks der Kontrahentinnen warten. Was dann auch mehrfach passierte. Für mich war es der Fauxpas und die Entscheidung vom Sonntagvormittag der eine Wende brachte. 


Danach standen die Spielerinnen in einem Kreis und feuerten sich an. Und wirkten danach viel kämpferischer und entschlossener. Und als der Zug dann erst einmal fuhr war er nicht mehr aufzuhalten.

 
6. Tolle Fans aus aller Herren Länder. Unglaublich wo die Menschen alle herkamen. Und alle waren kommunikativ, freundlich und sehr sportlich. Für die US Mannschaft gab es immer respektvollen Beifall, für die Europäerinnen eine enorme Anfeuerung. 

Entlang der ersten Bahn

Und 29.000 Zuschauer alleine am Sonntag sind eine dem Event und der Organisation

angemessene Kulisse gewesen.


 
7. Insgesamt 900 Volunteers haben überall am Platz und neben dem Platz in den Zelten und bei An- und Abreise immer gelächelt, immer eine Antwort auf alle Fragen gehabt. Das war unglaublich schön zu sehen, dass die auch aus allen möglichen Ländern kamen. 
Einfach nur vielen, vielen Dank, ihr wart Wahnsinn!
 
8. Dass das Event komplett live im TV/Web gestreamt wurde und man es frei empfangen konnte ist schon Klasse. Wenn man dann weiß, dass 300 Menschen für tolle Bilder auf und neben dem Platz gesorgt haben, kann man sich vorstellen, wie hoch der Aufwand war.
 
9. Das Essen im Media-Center. War Kantinenessen aber eigentlich immer lecker. Es gab alles inkl. Getränke und Sweets kostenlos. Das ist die Regel, aber dennoch etwas was in meiner Erinnerung bleibt.



10. 
Die Organisation der Fans inkl. Der Parkplatzsituation, nachdem die Parkplätze wegen des vielen Regens Anfang der Woche gesperrt werden mussten, gab es erst am Stadion der TSG Hoffenheim dann am Samstag und Sonntag in den Parkhäusern von SAP nicht nur kostenlose Parkplätze, sondern auch Shuttlebusse, die die Fans von und zur Anlage gefahren haben. Und ich meine viele, viele Busse, inkl. Media-Shuttlebusse nach Mannheim. Das alles reibungslos und zügig zu organisieren, ist schon mit langfristiger Planung eine tolle Leistung. Aber spontan auf das Wetter zu reagieren ist dann noch ein Zeichen dafür, wie großartig alle zusammengearbeitet haben und wie sehr Geld auch keine Rolle gespielt hat. Das meine ich positiv!
 
11. 
Der Platz. In was für einem unglaublichen Zustand der Platz war, ist bemerkenswert. Selbst der viele Regen wurde weggesteckt und von den 75 (zum Großteil freiwillig arbeitenden) Greenkeepern ständig gepflegt. Alleine die Bunker, wenn man sich die angeschaut hat. Alle gleich geharkt, alle mit der gleichen Menge Sand. 

Sandra Gal an der 1 am Freitag


Aber auch der Rest des Platzes. Dass man eine extra dicke Sorte Gras als Rough für den Cup angesät hat, ist auch eher ungewöhnlich.

 
12.
Die Krake. So hieß die große dreiseitige Zuschauertribüne, von der man die 11, 12, 13 und die 15 sehen konnte. Nicht von allen Seiten gleichzeitig, aber dennoch. Ein wunderbare Anlauf- und auch Versorgungspunkt. Mit Platz und Catering für viele tausend Fans. Und ein toller Platz zur Kommunikation mit allen möglichen Leuten. Man unterhielt sich und hatte gemeinsam tolle Tage.
 
Aber am Ende werden es das bisher größte Comeback der Solheim Cup Geschichte und die Alison Lee-Geschichte sein, die wohl von diesem tollen Event übrigbleiben. Für mich bleibt aber auch, dass ein Event dieser Größe nur mit sehr, sehr viel Geld und einem Großinvestor gestemmt werden kann. Nur der kann schnell mal Mittel locker machen, wenn es irgendwo hakt, wie bei den Shuttlebussen als der Regen nicht aufhörte.

Kann das Bad Saarow und die deutsche Ryyder Cup 2022 Bewerbung wirklich stemmen? Steuervorteile hin und her. Ich habe organisatorisch keine Zweifel, aber wirtschaftlich scheint mir dieses Risiko dann jetzt doch etwas sehr groß.
Alles in allem war „einfach nur“ ein großartiges Sportevent mit tollen Sportlern und Fans. Einfach. Nur. Werbung für den Sport.

Und hoffentlich viele neue Sponsoren. Und ein Comeback der Ladies German Open in naher Zukunft.



Fotocredits: Thomas Wischnewski und Fotos zur lizenzfreien Verwendung unter www.flickr.com/The2015SolheimCup 

2 Gedanken zu „Was vom SolheimCup2015 bleibt

  1. Ich finde Damengolf nachwievor spannend und finde es schade das meist eher über Männergolf berichtet wird. Umso besser, dass hier auch vom SolheimCup2015 ein sehr detaililerter und mitreißender Artikel geschrieben wird 🙂 Das Anna Nordqvist im Publikum saß finde ich persönlich ziemlich spannend, für sie ist das ja die vierte Teilnahme und kann den Fans sicher tolle Erfahrungen berichten!

    • mm

      Anna stand mehr, als dass sie saß… Aber es war schon sehr cool, wie sie die Fans auf der Tribüne noch zusätzlich animieren konnte. Das ist das besondere: Dieser Teamspirit und dieses Wir-Ding. Das macht es für die Fans auch leicher „mitzufeiern“.

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