Was wirklich wichtig ist

Im Golfsport gibt es Viele Sachen die wichtig sind. Das mit Sicherheit wichtigste ist das Spiel, wie man versucht dort ein sehr hohes Level zu erreichen habe ich in meinem letzten Blog, Aus dem Leben eines Besessenen, erzählt. Aber es gibt rund um den Golfsport noch einige andere Aspekte die es Wert sind das man sich darüber Gedanken macht. Im Ramen meiner Ausbildung zum PGA Professional musste ich mich mit allen Aspekten des Spiels auseinander setzen. Heute möchte ich euch von einem, aus meiner Sicht, völlig unterbewerteten Teil des ganzen berichten.

Beginnen möchte ich mit einer Frage: Was benötigt man um gut Golf zu spielen? Wenn man mal drüber nachdenkt dann kommen einem einige Dinge in den Sinn, mir sind auf Anhieb Sachen wie Training, Talent, Schläger, Geduld usw. eingefallen. Ganz wenige denken dabei an etwas  völlig nahe liegendes den Golfplatz und mit dem möchte ich mich heute einmal näher beschäftigen und zwar aus Sicht der Greenkeeper. Der Golfplatz kann noch so schön designed sein wenn er während des Betriebs nicht gut gepflegt ist verkommt ein Golfplatz schnell zur Wiese. Im Ramen meiner Ausbildung musste ich einen Teil meiner Zeit darauf verwenden den Greekeepern zur Hand zu gehen und lernen wie man die Aufgaben der Platzpflege richtig angehen muss. Ich hatte zu damaliger Zeit keine rechte Vorstellung was es eigentlich bedeutet einen Golfplatz in Schuss zu halten war der Platz doch eigentlich immer in Top Zustand. Mein Verständnis war dann auch das der Platz gemäht wird und damit ist dann auch gut. Ich hatte mich darauf gefreut beim Greenkeeping mit zu machen sah ich doch meine Chance gekommen endlich mal auf einem richtigen Aufsitzrasenmäher zu fahren. So einfach war es dann allerdings doch nicht.

Zuerst einmal hat mich der Headgreenkeeper über ein paar Grundsätzliche Regeln des Rasenmähens auf einem Golfplatz aufgeklärt. Was bei näherem hinsehen selbstverständlich ist muss man aus Keeper Sicht ganz anders Betrachten. Die wichtigste Frage ist die der Schnitthöhen Ein Golfplatz hat grob gesprochen 6 Schnitthöhen die je nach Beschaffenheit und Zustand des Platzes so wie der Jahreszeit etwas variieren können. Außerdem werden die Schnitthöhen noch unterschieden zwischen Turnier und Tages Betrieb. Grob kann man aber folgendes sagen:

  • Für Grüns gilt im Wettspiel 2,6 – 3 mm im Regelbetrieb 3,2 – 4,5 mm
  • Für Vorgrüns gilt im Wettspiel 6 – 12 mm im Regelbetrieb gilt 8 – 15 mm
  • Für Abschläge gilt im Wettspiel 8 – 10 mm im Regelbetrieb gilt 8 – 15 mm
  • Für Fairways gilt im Wettspiel 10 – 15 mm im Regelbetrieb gilt 15 – 20 mm
  • Für Semiroughs gilt im Wettspiel 30 – 50 mm im Regelbetrieb gilt 30 – 50 mm
  • Für Rough gilt im Wettspiel 50 – 150 mm im Regelbetrieb gilt 50 – 80 mm
Dazu gibt es noch das Hardrough welches vielleicht ein zwei mal im Jahr gemäht wird. In meinem Club wurde das Hardrough nicht gemäht, da wurde Heu gemacht. 
Mit dem Wissen dieser Zahlen mussten somit unterschiedlichste Maschinen bedient werden die vor jedem Mähen entsprechend der Schnitthöhe eingestellt werden musste. Die sensibelste Komponente eines Golfplatzes sind sicherlich die Grüns. An die wurde ich erst in meinem 2. Jahr rangelassen da das Mähen der Grüns höchste Konzentration und Sorgfalt bedarf und unser Headgreenkeeper erst mal wollte das ich die Fairways kaputt mähe. Im Regelbetrieb wurden die Greens bei uns mit einem Aufsitzmäher auf 4 mm runter gemäht. Hinter den Schneideblättern war eine Walze und dann der Fangkorb. Die Greens waren bei uns die einzigen Flächen wo das Schnittgut aufgesammelt wurde. Am Turniertag wurden die Greens mit Handmähern auf 3 mm runter gemäht. Bei besonderen Turnieren war hier nach der Walze noch eine Bügelvorrichtung angebracht. Das kann man aber nur ein zwei mal im Jahr machen sonst gehen die Greens kaputt. Gemäht wurden die Greens täglich und das immer als erstes morgens früh damit der Platz noch nicht zu voll war.

Vorgrüns und Abschläge wurden mit ähnlichen Maschinen gemäht wie die Greens nur eben mit anderen Schnittlängen. Fairways und Semiroughs wieder mit den gleichen Maschinen nur das diese wesentlich größer waren und die Schnitthöhe nicht manuell sondern elektronisch eingestellt werden konnte. Das waren die Maschinen die ich zu Beginn unbedingt fahren wollte. Mit den Roughs hatte ich nur am Rande zu tun weil eben relativ Aufwändig und eher mit Landwirtschaftlichen Maschinen geschnitten wurde. Wir hatten alle Maschinen im Club und zu Beginn meiner „Greenkeepertätigkeit“ beschränkte sich meine Aufgabe auf die Pflege der teuren Apparate. Im Klartext bedeutet das ich habe die Dinger sauber gemacht. 

Neben den reinen Mäh arbeiten haben Greenkeeper aber noch unmengen an anderen Aufgaben, Eine meiner ersten Dinge die ich eigenständig machen durfte war das Aufsammeln der Bälle auf der Drivingrange, da ich mit Abstand die meisten Bälle auf die Range geschlagen habe war man der Ansicht das es nur Recht und Billig war diese auch wieder auf zu sammeln. Selbst an Tagen wo ich nicht dem Greenkeeping eingeteilt war, das war 1 – 2 mal die Woche, musste ich die Bälle einsammeln das war jeden Abend das letzte was ich machen musste. Eine wichtige Aufgabe ist die das die Keeper die Löcher versetzen. Auch das durfte ich relativ schnell selber machen. Was viele Nichtgolfer nicht wissen und was jedesmal erstaunen auslösst ist die Tatsache das die Löcher, bei uns im Club an jedem dritten Tag, an eine neue Position gesetzt werden. Das hat zum einen eine spielerische Komponente,  es werden ein drittel leichte, ein drittel mittlere und ein drittel schwere Löcher gesteckt, zum anderen werden die Löcher durch das rein und raus der Fahne, das vermehrte beanspruchen der Grünfläche rund um das Loch sowie das reinrollen der Bälle so stark beansprucht das sie nach 3 Tagen einfach ausgefranst oder ausgetreten sind. Das versetzen der Löcher ist eigentlich einfach, man sticht ein neues Loch und setzt das neue Stück Gras in das alte Loch. Eine genaue Beschreibung der Technik führt glaube ich zu weit es ist aber nicht ganz so trivial wenn man nicht die Werkzeuge der Tour hat. Ich sollte das machen da ich ja als guter Golfer eine Vorstellung davon hatte wo am besten die Löcher zu plazieren waren. Gerade bei wichtigen Turnieren oder Mannschaftswettspielen wurde mir oft nachgesagt das ich die Fahnen absichtlich extrem schwer gesteckt hätte. Diese Unterstellung möchte ich nach über einer Dekade klar stellen: Jeder der behauptet hat ich hätte das mit Absicht gemacht hatte zu 100% Recht! Manchmal kann ich fies sein.

Die Pflege der Bunker obliegt natürlich auch den Greenkeepern, auch wenn jeder Golfer in der PE Prüfung lernt das man Bunker harken muss nachdem man sie betreten hat wird dies doch all zu oft vergessen oder unsachgemäß durchgeführt. Also wurden bei uns die Bunker jeden Tag durch die Keeper geharkt. Zum Glück hatten wir keine Pott Bunker, die müssen nämlich von Hand geharkt werden, unsere Bunker wurden mit einer Kleinen Maschine geharkt die auch an die hohen stellen ran kam ohne das man daraufzitzend umkippte. Gerade im Sommer und an trockenen Tagen ist diese Bunker harkerei eine sehr unangenehme Arbeit.

Wer hat sich nicht schon mal gefragt warum man ein Golfgrün so niedrig mähen kann. Zu Hause ist das nicht möglich, ich habe es versucht. Das liegt an der Beschaffenheit des Grases und vor allen Dingen an den Grassorten.  Hier gibt es zig verschiedenen aber alle Grassorten die auf Golfgreens zum Einsatz kommen sind einige Eigenschaften zu eigen, sie sind alle sehr dicht wachsend und sie haben alle eine überdurchschnittlich lange Wurzel. Haben normale Gräser in der Regel ein längeres Blatt als die Wurzel ist das bei den im Golf verwendeten Grassorten nicht der Fall. Diese langen Wurzeln haben aber auch ihre Nachteile und damit kommen wir zu einem Teil der Arbeit eines Greenkeepers die notwendig aber sehr häufig nicht gesehen wird. Unkraut und Schädlingsbekämpfung. Beim Letzteren möchte ich ein Beispiel nennen. Es gibt Mückenarten die ihre Eier in kurze Rasenflächen ablegen (kürzer als ein Golfgrün geht nicht) die aus den Eiern schlüpfenden Larven lieben es die Graswurzeln zu fressen. Jetzt werden diese Larven in ein Schlaraffenland hinein geboren denn die Wurzeln sind ja besonders lang und somit eine tolle Nahrung. Das allerdings zerstört die Grüns binnen Tagen. Hier müssen die Greenkeeper besonders aufpassen genau wie bei der Vernichtung von Unkraut und anderen Schädlingen. Ich erspare euch hier Einzelheiten. Ich habe in der Zeit sehr viel über Flächanpilze oder Ringpilze gelernt. Das sind diese runden, tot aussehenden Flächen auf den Greens. Diese zu bekämpfen ist eine wichtige Aufgabe und erfordert eine fundierte Kenntnis der Planzenwelt.
Auch gibt es Pflegemaßnahmen die wir Golfspieler hassen. Das Vertikutieren der Grüns bekommt man in der Regel nicht mit, die Vorrichtung wird hinter den Mäher geschnallt und ist so fein das man nach einem Tag nichts mehr davon sieht. 2 – 3 mal im Jahr müssen die Greens aber aerifiziert werden. Diese Pflegemaßnahme ist absolut notwendig und verursacht, wenn man es nicht konsequent macht, den schnellen „Tod“ der Greens.

Beim Aerifizieren werden hole Stahlstifte ins Grün gestochen und Material aus dem Grün entfernt. Das führt zu einer Durchlüftung des sehr eng gewachsenen Grases. Die Löcher werden mit Sand gefüllt. Kommt man als Spieler auf ein frisch Aerifiziertes Grün dann flucht man kann man doch nicht so gut Putten wie man es gewohnt ist. Auf guten Grüns ist diese Auswirkung allerdings nach 4-5 Tagen nicht mehr zu sehen auf schlechten dauert es schon mal 7 – 8 Tage, mehr aber nicht. 

Ein Greenkeeper ist kein reiner Mäher, unser Headgreenkeeper hat, um in seine Stellung zu kommen 5 Jahre gelernt, unter anderem in England ein Praktikum bestritten. Das sind hochqualifizierte Fachkräfte und werden auch entsprechend entlohnt. Die Erfahrung die ich gemacht habe hat mich eine andere Sicht auf die Arbeit der Greenkeeper gelehrt. Wenn ich heute warten muss weil vor mir einer mäht, dann ärgere ich mich nicht sondern rufe mir ins Gedächtnis das es ohne diese Maßnahmen keinen schönen Golfplatz geben würde. Auch freuen sich die Kollegen immer mal über eine nette Geste und sei es nur ein Kopfnicken zum Gruß, denn die Arbeit ist nicht nur wichtig sondern auch hart. Im Sommer müssen die Teams auf den Plätzen 7 Tage am Stück arbeiten am Wochenende müssen die Grüns sehr früh gemäht werden damit der Spielbetrieb nicht leidet, häufig ernten sie dann keinen Dank sondern werden ausgeschimpft weil sie einen Aufhalten. Wir Golfer sollten den Greenkeepern viel mehr Respekt zollen und dabei eines nicht vergessen, Die meisten Greenkeeper sind bessere Golfer als man selbst oder all gemeinhin glauben würde, zum Wettkampf würde ich die nicht fordern.
In dem Sinne wünsche ich euch weiterhin ein schönes Spiel.

5 Gedanken zu „Was wirklich wichtig ist

  1. Stark, Ralph.
    Sehr stark.
    Bei uns ist unser Headgreenkeeper ind er Tat der stärkste Jungsenior mit enem Handica vo -4 irgendwas (meine ich)
    Und ich habe und hatte immer größten Respekt vor der Arbeit der Greenkeeper. Denn wie du es richtig sagst: Ohne sie würden wir auf Wiesen rumprügeln.

    Meine Frau hatte am ANfang (und wohl immer noch) echte problem edamit, Divots zu schlagen. "Damit mache ich doch den schöne Rasen kaputt"
    Recht hat sie.
    Deshalb hier meine Bitte an euch alle. Legt eure Divots wieder zurück, denn das gehört sich so, hilft uns allen und entlastet die Greenkeeper.

    Und ich habe wieder was gelernt.

    Ws ich mich übrigens Frage:
    Am Sonntag (Montag?) hat der Kollege Watney beim Farmers auf der 16ten(17ten?) Bahn auf dem Grün gechippt. Und dabei ein Divot rausgehauen. Wäre ich da Greenkepper..
    Aber laut Regel darf er das.

  2. DAS hat der Kollege Watney gemacht und nicht die Herren Ralph und Thomas, würden wir das machen würde der Greenkeeper zu Recht ausflippen. Aber wie du es sagst den Regeln nach ist es erlaubt.

    Und Divots zurücklegen und Pitchmarken ausbessern habe ich jetzt mal weggelassen, das machen wir doch eh alle! Nur die anderen eben nicht 😉

  3. Er war am Ende aber schon sichtlich bemüht, das Divot ordentlich zu beseitigen. Sein Problem war, dass er sehr weit vorne auf dem Grün hinter einer Einbuchtung lag und die Fahne hinten tief im Grün steckte. Putten wäre durch die Einbuchtung nur schwer gegangen. Wobei der Chip auch eher naja war. Dafür, dass der Ball perfekt lag 🙂
    Mickelson hatte das auch mal gemacht, als er auf der falschen Grünseite lag und über eine Kuppe spielen musste. Doch hat der kein Divot rausgehauen 🙂

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