Wo die Tomaten noch nach echten Tomaten schmecken

oder wenn einer eine Golfreise an die Algarve tut…
Meine Frau und ich waren an der Algarve. Eine Woche. Golfreise.
Ich sage es vorweg, die Reise war toll. Und ich habe eine Menge zu erzählen. Über Land, Leute, Reise, Hotel, Organisation und vor allem die Golfplätze, die wir in dieser einen Woche spielen durften. Und ich werde einiges erzählen, schließlich war das meine erste Golfreise. Es ist auch für mich, der schon diverse Gruppenreisen (Incentives) mitmachen durfte, etwas anderes, wenn man eine Woche organisierten Urlaub bucht. Da ist auch immer etwas Gruppendynamik angesagt. Obwohl man vielleicht mehr alleine machen wollen würde. Am Ende ist es jedem freigestellt, wie er sich verhält und was an Gruppenangeboten genutzt wird. Ich denke, wir haben ein gutes Mittel gefunden und wir hatten viel Spaß. Alleine, aber auch mit und in der Gruppe.
Zur Algarve muss man nicht viel sagen denke ich. Was an Bausünden im Tourismusboom Anfang/Mitte der 90er gebaut und fertiggestellt wurde, steht heutzutage immer noch. Es ist im Laufe der Jahre nicht schöner geworden und man hat diese Anlagen weitestgehend als Unterkunft für diejenigen, die in den Tourismuszentren arbeiten, umfunktioniert. Das Land selber hat sich seit unserem letzten Besuch (meine Frau und ich waren ´99 das letzte Mal dort) auch nicht verändert. Und das im positiven (Strand, Wetter, Landschaft) wie im negativen Sinne (Bauten, Städte und wirtschaftlich).
Es ist leider alles nicht wirklich schöner geworden. 
Und dazu tragen dann auch die deutlich in Form und Anzahl überdimensionierten Immobilienanlagen in Vilamoura ihren Anteil zu bei. Ich weiß nicht, wer da alles die Immobilien kaufen soll oder die Anlagen finanziert hat, die jetzt zu geschätzten 80% leer stehen. Ich weiß nur, dass es eindeutig zu viele Immobilien und Leerstände sind. Und das die Preise die dort z. Zt. gefordert werden, das Land auf Schlag sanieren sollen ist ein vllt. noch verständlicher, aber nie erfüllbarer Ansatz zur Lösung der portugisischen Finanzkrise. Die EU Fördermilliarden wurden jedenfalls verbaut und die Preise sind vielleicht nach deutschem Standard angemessen, aber lassen sich niemals amortisieren. Woran Baustill, -ausführungen und -anzahl ihren massgeblichen Anteil zu beitragen.
Uns hat diese künstliche Welt jedenfalls mehr abgeschreckt als erfreut. Aber Geschmack und Anspruch sind relativ.
Echte Hardcoregolfer wird es nicht stören, denn auf 20km2 Fläche findet man dort 10 Golfplätze. Einige sind dabei echte Highlights. Auf einem davon, dem Victoria Golf Course, entworfen von Arnold Palmer, finden dann auch folgerichtig im Oktober die Portugal Masters der European Tour statt.
Begonnen haben wir den Urlaub mit einem Besuch in einem wirklich tollen Restaurant am Strand, in dem es auch das definitiv beste Essen der gesamten Reise gab. Das mag das Wetter und die Lage der Location (Dünenlage) einen entsprechenden Anteil dran haben, aber der Fisch war ein echter Kracher und auch sonst war das ein super Start, zumal die Locations an den Dünen des legendären Vale do Lobo Golfclubs  liegend, wirklich sehr ansprechend lässig war. Wenn es in Portugal überall so aussehen würde…

Abends gab es im Hotel ein Begrüßungsmenü und eine Art Kennenlernrunde samt Auslosung für den Texas Scramble an Golf-Tag 1, dem Montag.

Gewohnt haben wir im Tivoli Hotel das direkt an den Victoria Golf Course angrenzend liegt. Das Hotel ist relativ neu und wird fast nur von Golfern besucht. Was aber wohl für die meisten Immobilien der Gegend gelten dürfte. Insgesamt ein gutes Hotel, dass sich selber im 5 Sterne Bereich sieht und das auch wegen seiner Lage eine klare Buchungsempfehlung von mir bekommt, da man vom Hotel aus, neben dem Victoria Course, auch den Laguna und den Millenium Course zu Fuß erreichen kann.

Organisiert wurde die Reise übrigens von Klaus Wördehoff und seiner Tochter Stefanie von Online Golf Events & Reisen Wördehoff GmbH und wir waren als 14 köpfige Gruppe am Start. 6 Männer und 8 Frauen zzgl. Klaus als Reiseleiter. Das Handicap lag im Durchschnitt bei 24 oder so und die meisten gaben als Ziel der Reise aus: Möglichst viel golfen!

Und das taten wir auch.
5 Runden auf 4 Plätzen.

Wir starteten an Tag 1 auf dem Pinhal Course mit einem Texas Scramble und meiner Frau, die sonst relativ wenig Golft (und wenn, dann bisher eigentlich immer mit mir). Ihr Handicap liegt folgerichtig bei -54, allerdings ist sie besser. Und ihr Drive hat ca. 150-180 Meter Llänge….. Unser Flight wurde am Ende, auch dank dreier Birdies, Netto-Sieger. Brutto haben wir um einen Schlag verpasst (77 zu 78 im Zählspiel).
Für meine Frau war es, bis zum Samstag die erste und letzte Runde, weil sie nämlich ihre schicken neuen Golfschuhe (noch nie eine Runde getragen) trug und am Ende der Runde dermaßen viele Blasen an den Füßen hatte, dass sie heute noch, knapp 10 Tage später davon Spuren mit sich trägt.

Der Platz selber liegt beim Hilton Hotel und ist, wie die meisten Plätze, schon jetzt in einem bemerkenswert gutem Zustand. Dadurch, dass es der erste Platz war, den wir gespielt hatten, war der eine oder andere (mich eingeschlossen) dann doch über die Grüns und deren Ondulierungen und Geschwindigkeiten (offizielle Geschwindigkeit 9) überrascht. Der Platz selber, ein Par 72 mit einer Länge von 6353 m (weiß), 5914 Meter (gelb) und 5206 m von Rot, hat ein Slope Rating von 129 und ist der zweitälteste Platz Vilamouras, gebaut bereits 1976 vom Architekten Frank Pennink.

Typisch für die meisten Plätze: Sie sind umrahmt von Häusern, die bis an die Spielbahnen heran gebaut sind. Bzw. hat man die meisten Plätze quasi zwischen die Häuser gebaut und es sind keine typischen Golfplatzareas, wo es rauf und runter geht, sondern die Bahnen sind wie 8ten angeordnet.
Nach dem Re-Design und Umbau 1985 von Robert Trent Jones Jr. sind die meisten Bahnen inzwischen von den landestypischen Pinien eingerahmt. Die Fairways sind relativ eng, das Rough war noch gerade so spielbar, die Grüns werden häufig sehr gut von Bunkern verteidigt. Ein typisches Beispiel dafür ist die 3te Bahn, ein Par 5 mit 495 Metern von Gelb. Die Bahn ist ein tolles Loch, sehr eng und man muss wirklich gerade und exakt bleiben, wenn man hier eine Chance haben will. Alles in allem ist der Platz aber fair zu spielen und war in einem guten Zustand, so dass all 14 Spieler ihren Spaß gehabt haben, zumal Scramble ja fast immer für gute Balllagen und Positionen sorgte. 

Am Dienstag spielten wir erstmals den Millenium Course, einem PAR 72 mit einer Länge von 6176m (weiß), 5784m (gelb), 4767 Metern in Rot und einem Slope Rating 120. Die ersten 9 Bahnen sind ursprünglich Teil des damals noch 27 Loch umfassenden Laguna Golf Course gewesen, bevor Architekt Martin Hawtree die Bahnen umbaute und zusätzlich neun Bahnen auf der anderen Straßenseite und alle in den Pinienwald hineingearbeitet, hinzugefügt hat.
Der Millenium ist ein toller Platz, da er zwei komplett unterschiedliche Hälften hat. 
Bahn 7, Par 4 in der Abendsonne – Gibt es was schöneres?

Der Lagunateil ist eher offen, während die ersten 9 (die neuen Bahnen) sehr waldig eng und anspruchsvoll sind. Mein Favorit war Bahn 4, ein Par 5 mit 470 Metern von Gelb, ein Dogleg nach Links, dass vom Abschlag aus so eng ist, dass man wirklich nur eine Chance hat, wenn man gerade Driven kann oder lang genug für den Draw ist. Das von hohem Schilf umbaute Wasser am Abschlag ist dabei nur ein optisches Hindernis und kommt nicht ins Spiel. Wenn man nicht, so wie ich, mit seinem Abschlag einen der Äste links trifft und der Ball direkt zurückkommt. ODer wenn der eigene Abschlag die 100 Meter nicht schafft. Der Anblick vom Abschlag aus ist ein Traum. Wie alle Abschläge im Pinienwald. Der Platz als solches ist auch eher ein fairer Course, die Grüns waren ebenfalls sehr schnell (9,5) und stärker onduliert, so dass lange Schläge ins Grün nur schwer zum Halten kamen. 

Die Runde ging am Ende Netto UND Brutto an mich, obwohl ich einige Bahnen eher schlecht gespielt habe. Aber bei meinem Handicap war das am Ende dann doch eher eine rhetorische Frage, wer Netto gewinnen würde.
Brutto hingegen hatte mich schon etwas überrascht.

Abends waren wir Piri-Piri essen, eine landestypische Speise, bei der Hähnchen in eine scharfe Sauce eingelegt werden und dann gegrillt und inkl. Knochen serviert werden. 
Dazu gibt es Pommes und den landestypischen Tomatensalat.
Ich sage es mal so. Scharf war es. Und am Freitag, in Silves, war das Piri-Piri sogar mit Knochen UND Fleisch. Das ist aber eine ganz andere Geschichte. Die Location sah eher aus wie eine Bingo-Halle, Touristen wären sofort wieder gegangen, aber die Turnhalle (So sah es dort wirklich aus) war sehr gut gefüllt, was auch an dem preis von 8 Euro pro Portion liegen mag…
Teil 2 des Reiseberichtes dann demnächst. In dem geht es dann hauptsächlich um den besten, anspruchsvollsten und schönsten Course, den ich bisher in meinem Leben spielen durfte.
Nur Golf bei:

3 Gedanken zu „Wo die Tomaten noch nach echten Tomaten schmecken

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