Woher die Besessenheit kommt oder wie alles begann

Hallo zusammen und ein frohes Jahr 2013. Im letzten Jahr hatte ich ja begonnen hier einen mehr oder weniger regelmäßigen Blogbeitrag zu verfassen. Es stellte sich schnell heraus das ich gerne über meine Erfahrungen im Golfsport blogge und so hat es sich eingestellt das ich einige Geschichten aus meinem Golferleben zum besten gegeben habe. Da ich aber kein Fan von Regelmäßigkeiten und eingefahrenen Dingen bin möchte ich euch für das kommende Jahr nicht versprechen das es in der Tour weitergeht, doch ihr braucht euch nicht zu sorgen ich werde weiter bloggen nur vielleicht manchmal mit einem anderen Schwerpunkt, nicht immer „nur“ Anekdoten. Allerdings möchte ich mein Bloggerjahr mit einer weiteren Geschichte beginnen. Beim schreiben der letzten Blogs haben sich einige vielleicht gefragt warum der Kerl so komische Sachen erlebt hat woher das alles kommt und warum er eigentlich so um den heißen Brei herumredet, nun ich möchte mit eben dieser Geschichte starten und da es sich um das zentralste Thema meiner Golferkariere handelt wird sich dieser Blog nur um diese eine Sache drehen. 

Ich war einmal Golfprofessional!

So jetzt ist es raus. Eigentlich tue ich mich extrem schwer das zu erzählen zumal mein Golfspiel derzeit überhaupt nicht danach aussieht. Ich finde aber das man gerade im anonymen Internet das Recht hat zu erfahren mit wem man es eigentlich zu tun hat und so habe ich mich dazu entschlossen die ganze Geschichte zu erzählen und da man das so macht fange ich nun ganz von vorne an. Vielleicht bekommt ihr dann auch einen Eindruck davon wie es ist Golfpro zu werden oder zu sein.
Also ganz vorne wäre dann nach meinem Zivildienst in dem ich überragend viel Golf gespielt habe als Ausgleich für meinen Job im Altenheim. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein HCP von irgendwas in den Mitte 20ern. An einem Sylvesterabend haben dann meine Eltern die alles entscheidende Frage gestellt, zu diesem Zeitpunkt war ich ein eher unsteter junger Mann, sie haben mich gefragt was ich eigentlich in meinem Leben machen will. Ich glaube das diese Frage jedem Jugendlichen irgendwann einmal gestellt wird. für mich war das allerdings total klar, ich war bereits an der FH in der Fachrichtung Elektrotechnik eingeschrieben und hatte meine ersten, frustrierten, Tage dort verbracht. Die Frage meiner Eltern hat mich also kalt erwischt und etwas überrascht. Als ich daraufhin nicht so recht mit der Sprache rausrücken wollte sagte mein Vater dann ich solle es einfach sagen was ich dann auch tat. Ich sagte ich würde gerne Golfprofi werden und das mit einem HCP von sagen wir mal 27. Anstatt mich aus zu lachen sagten dann meine Eltern das sie mir eine Chance zugestehen meinen Traum zu verwirklichen, sie wollten nicht in 30 Jahren von mir hören das ich ihnen die nicht Erfüllung eines Lebenstraums zu verdanken hätte. Ich war völlig baff habe dann aber in den nächsten Tagen begonnen zu verstehen was man eigentlich für Voraussetzungen haben muss um Pro zu werden.
Es gibt grob beschrieben 2 Arten von Golfpros, Playing und Teaching Professionals. Natürlich wollte ich Playing Pro werden aber mit einem HCP von 27 würde das schwierig werden also hatte ich den Plan Teaching Pro zu werden und in der Zeit zu trainieren. Um diesen Weg zu beschreiten musste man zu der Zeit eine 3 Jährige Ausbildung bei der PGA of Germany und in einem Golfclub bei einem Professinal absolvieren. Aber auch hier gab es ein Problem, man musste mindestens ein HCP von 12 haben. Ich weiß nicht wie das heute ist aber ich denke heute fängt keiner mit einem HCP schlechter 2 mit der Ausbildung an. HCP 12 hatte ich aber auch nicht. Um das zu bekommen und um ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist sein ganzes Leben, seinen Tagesablauf etc. nur mit Golf zu verbringen habe ich meinen (in den anderen Blogs schon beschriebenen) ersten Aufenthalt in England verbracht. Hier habe ich unglaublich viel gelernt, unglaublich viel trainiert und das Spiel unglaublich lieben gelernt. Nebenbei hatte ich nach 6 Wochen ein HCP von 12. Die radikal schnelle Verbesserung bestätigte mich nur in meinem Entschluss, zeigte sie mir doch das ich nicht völlig Talent frei war. Wieder zurück in Deutschland musste ich mir einen Golfclub suchen dessen Pro mich ausbildet, diesen Club habe ich gefunden und kurze Zeit spähter habe ich mich bei der PGA of Germany zur Ausbildung angemeldet.


Mit dieser Anmeldung und mit deren Annahme verändert sich das Leben auf einen Schlag. Man bekommt einen Ausweis zugeschickt auf dem steht dein Name mit dem Zusatz Professional! Das heißt das du deinen Amateurstatus mit einem Schlag verloren hast, sprich du hast kein Handicap mehr, kein Plus oder Minus Handicap, gar keins mehr. Man erwartet ab sofort von dir professionelles verhalten und auch ein professionelles Spiel. Sprich es wird nur noch Zählspiel gespielt, man spielt keine Runden mehr mit 36, 35 oder 40 Punkten, man spielt 73er Runden oder 86er Runden. Was auf den ersten Blick lustig klingt ist eine riesen Umstellung. Ein weiterer Unterschied ist der das man mit dem Golfspielen Geldgewinnen und verdienen darf, das führt dazu das du kein Turnier mehr spielst wo es nicht um Geld geht. Im Ramen der Ausbildung, und vor allem um diese zu bestehen, mussten wir 10 Runden in einem Profiturnier unter 77 spielen. Bei meiner oben beschrieben rasanten Verbesserung sah ich darin das kleinste Problem, wie man sich irren kann! Dazu aber spähter mehr.
Zuerst einmal musste ich meine Ausbildung im Golfclub beginnen. Der dortige Headpro, seines Zeichens Engländer, hatte mich nur genommen weil er die Empfehlung meines Englischen Freundes bekommen hatte in seinen Augen musste ein Golfpro in erster Linie mal eins können, Golfspielen, und ein HCP 12 Spieler erfüllte diese Kriterien bei weitem nicht. Im ersten Jahr der Ausbildung darf man noch keinen Unterricht geben und mein Boss, im nachhinein möchte ich betonen das es sich um einen der feinsten und besten Menschen handelte die ich je kennengelernt habe, war der Meinung ich müsse erst mal beweisen das ich es drauf hatte. Am ersten Tag also gingen wir auf die Range und er schaute sich mein Spiel an und erklärte mein gesamtes Golfspiel kurzerhand für, ich zitiere, „fucking crap!“ Die nächste Zeit wurde dann ein Trainingsprogramm ausgearbeitet in dessen zentralem Mittelpunkt das völlige verändern meines Golfspiel stand. Hatte ich vorher im Kopf versucht die Löcher mit Par oder zumindest nicht schlechter als Boggey zu beenden, galt diese Denkweise fortan als verboten, nur Birdies oder besser waren akzeptabel alles andere als Par war eine Katastrophe. Ich musste für meine Ausbildung aber auch noch andere Dinge lernen. Proshopbetreuung, Greenkeeping (das hat mir im übrigen viel Spass gemacht), Clubrepairing (das kannte ich zum Glück schon aus England), Golfclubmanagement und nicht zuletzt musste ich lernen wie man Unterrichtet. Ich hatte eine Abmachung mit dem Club und meinem Boss das ich für die oben genannten Dinge 5 Stunden am Tag verwenden musste. Mein Boss wollte aber das ich 8 Stunden am Tag trainiere. Ich hatte zum Golfclub eine anfahrt von einer Stunde, das ganze an 6 Tagen die Woche, Montag war frei! Ihr könnt ja selber rechnen wie viel Zeit mir für Privates blieb.

Die 8 Stunden Training sahen in etwa so aus: 3 Stunden Bälle schlagen, jede Einheit musste ich an etwas anderem arbeiten was ich mir vorher aufgeschrieben habe (also so etwas in der Art 3 Stunden Draws schlagen etc.). Danach 3 Stunden kurzes Spiel also Chippen, Pitchen, Bunkerspiel (jeweils eine Stunde) und danach 2 Stunden Putten. Da ich aber mindestens 3 Stunden am Tag putten sollte habe ich bei den beiden anderen Sachen jeweils immer eine Stunde abwechselnd abgezwackt. 2-3 Mal die Woche musste ich nicht so viel im Club arbeiten, da bin ich dann ins Fittnesstudio. Was die Golflehrerausbildung angeht, diese wurde im Club und im Blockunterricht durchgeführt. 2-3 Mal im Jahr ist unser Jahrgang dann irgendwohin nach Deutschland gefahren und hat 2 Wochen gelernt wie man lehrt. auf dem Lehrplan stand der Golfschwung aber auch Golfgeschichte, Golfplatzdesign, Sportmedizin, etc. Am Ende des Ersten Jahres wurden wir geprüft, theoretisch als auch Praktisch. Wir mussten ein Kinder Jugendtraining leiten und alle 11 Ballflüge mit einem Eisen Sechs auf Ansage vorführen. außerdem gab es wie gesagt eine happige Theoretische Prüfung. Danach war man C Trainer und durfte Unterricht geben.

Aber Unterrichten war ja nicht mein Vorrangiges Ziel sondern Playing Pro wollte ich werden. Wie bereits angedeutet musste man um die Ausbildung zu bestehen 10 Turniere unter 77 (bei Par 72) spielen. Da ich ja nun Profi war durfte ich keine Amateur Turniere mehr spielen. Es gibt dafür unterschiedlichste Möglichkeiten. In erster Linie fallen einem da die Profitouren, wie PGA Tour, Chalange Tour oder EPD Tour, ein. Um da mit zu spielen braucht man aber eine Qualifikation, die ich natürlich nicht hatte. Es gibt auch immer irgendwelche Po Ams, hierfür braucht man aber einen Amateur der die 300 – 400 € Startgeld finanziert und diese Amateure bekommt man nur wenn man Erfolge vor zu weisen hat. Was macht man dann also? Wir waren in NRW in unserem Jahrgang ca 20 Trainees mit allen Jahrgängen zusammen sowas um die 60 wenn man die angrenzenden Bundesländer noch dazu nimmt kommt man schnell auf 100 – 150 Jungpros. Wir hatten alle Montags frei und so haben wir einfach jeden Montag ein 36  Löcher Turnier selber organisiert. das Startgeld wurde dann unter den besten 5 als Gewinn ausgeschüttet. so hatte man an dem lästigen freien Tag auch was zu tun. So bin ich also durch die Gegend getingelt und habe jeden Montag ein Turnier gespielt. Zusätzlich hat man mit der Zeit auch schon mal eine Einladung für etwas größeres bekommen.

Wenn ihr jetzt glaubt das es sich hierbei ja um irgendwelche unterklassigen Geschichten handelt und das ja gar keine Richtigen Profiturniere sind habt ihr euch getäuscht  Wenn wir 90 Leute waren waren das 90 extrem gute Golfer die alle Playing Pro werden wollten und der Meinung waren das sie das auch können. Das kann man sich im Grunde so vorstellen das man Permanent Clubmeisterschaft spielt aber alle Teilnehmer HCP’s von unter 5 oder besser haben. Außerdem reden wir von Profiturnieren. Das bedeutet man spielt nach Profiregeln, was bedeutet man muss schnell spielen, keine Runde dauert länger als 4,5 Stunden. Für mich war das eine riesen Umstellung und die ersten Runden habe ich mächtig schlecht gespielt. Erst in der Mitte des ersten Jahres habe ich es geschafft auch nur in die Nähe von 77 zu kommen. Was vorher gar kein Problem war viel mir auf einmal richtig schwer. War ich früher als Amateur immer der Beste gehörte ich auf einmal zu den schlechtesten. Eine schwierige Erfahrung. Am Ende muss ich aber sagen das ich die erforderliche Anzahl an Runden unter 77 recht schnell zusammen hatte und ich habe sogar das eine oder andere Mal bei diesen Traineeturnieren Geld gewonnen. Mein Spiel wurde immer besser und mein vorgezeichneter Weg auf die Tour und damit zwangsweise nach Augusta war geebnet und im Plan.

Warum also hat es nicht geklappt? Warum habe ich am Ende aufgehört und führe nun ein gänzlich anderes Leben und bin auch noch glücklich damit? Nun es stellt sich raus das es wohl etwas länger dauert die ganze Geschichte zu erzählen und deshalb werde ich den Rest nächstes mal in einem weitern Blog berichten.

Bis dahin wünsche ich euch weiterhin ein schönes Spiel.

9 Gedanken zu „Woher die Besessenheit kommt oder wie alles begann

  1. Sehr interessant Ralph habe es 3 mal gelesen
    und freue mich jetzt sogar auf den nächsten
    Mittwoch und hoffe irgendwann mal eine Runde mit Dir zu spielen!

    Gruß Matthias

  2. Moin Mathias,

    leider musste ich das splitten sonst wäre der Blog viel zu lang geworden. Wir werden doch in Hobbingen spielen ich freu mich da schon drauf.

  3. Schön.
    A. Dass du wieder mit dem Schreiben im neuen Jahr weitermachst
    B. Das wir beide schon mal zusammen gespielt haben und ich dich zum Glück nicht bezahlen musste 🙂
    C. Das Du mit in Hobbingen dabei sein wirst.
    D. Freue ich mich auf die Fortsetzung der auch mir bsiher unbekannten Geschichte. Teil 1 kannte ich ja, aber das Du mal Playing Pro werden woltest eher nicht.
    E. Schöner Blog und ich ahne, warum du es am Ende nicht getan hast. Weil ich I. weiß wie schwer das ist (ein Freund von mir spielt EPD) und II was du quasi jetzt machst… 🙂
    Also, lass es krachen.
    Und wenn Du ewtas weniger Kapitel nimmst, wird die Serie länger und du und wir haben mehr davon 🙂

    Euch allen ein frohes, gesundes, neues Jahr!

  4. Als ich das gemacht habe gabs leider keine EPD Tour die wurde ja erst 1997 gegründet. Schade eigentlich. Bei mir gabs "nur Challange, European und US Tour. eine EPD gibt einem viel mehr Möglichkeiten.

    Ich drück deinem Mann die Daumen das er durchzieht 🙂

  5. Eine EPD gibt mehr Konkurrenten. Erst einmal 🙂
    Aber der Weg in den Profisport war und bleibt immer einer voller Zufälle, Glück (zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein) und voller Unabwegbarkeiten.
    Und er ist und war immer ein harter Weg, denn selbst ein McIlroy hat schon sher früh, sehr, sehr hart dafür gearbeitet.
    Daher mein Respekt allen, die es probieren. Und denen die ducrchkommen und es schaffen seies vonganzemHerzen gegönnt!

  6. Mo Luoi
    Die Rechnung, die laut meinen AGBs in den nächsten Tagen für die ungefragte Werbeschaltung zugehen wird, bitte ich umgehend zu begleichen. Sonst muss ich den Link leider löschen!

  7. Ich kann die EPD aus Spielersicht nicht einschätzen für mich wäre es aber eine zusätzliche Option gewesen. Zu meiner Zeit war das Angebot an Turnieren doch sehr begrenzt in Deutschland. Wie du schon schreibst gibt es einiges an Gründen warum es schwer ist, einer meiner Hauptgründe warum es nicht geklappt hat beschreibe ich nächste Woche aber eins ist klar der Wetbewerb ist brutal. Du konkurierst ja nicht nur mit allen Deutschen sondern auch den Internatinalen Pros und die Par Trainees in Deutschland sind nichts im Vergleich zur Menge an guten Spielern in England oder anders wo.

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